[Rezension] Hollie Overton – The Wife. Schütze, wen du liebst

Der erste Satz:

Liebe Ms Tucker, ich hoffe, Sie und Ihre Familie sind wohlauf.

Das sagt der Verlag zum Buch:
Kristy arbeitet im Todestrakt eines Hochsicherheitsgefängnisses. Kein Traumjob, aber die alleinstehende Mutter muss nicht nur für ihren Sohn, sondern auch für ihren kranken Vater sorgen. Kristys Schicksal scheint sich zu wenden, als sie den charmanten Lance kennenlernt, und er sie bittet, seine Frau zu werden. Kristy sagt überglücklich ja. Doch Lance ist ein perfider Sadist, der seiner Frau das Leben zur Hölle macht. Aber als er auch ihren Sohn und ihren Vater bedroht, geht er zu weit. Kristy hat in ihrem Job viel über Mord und Totschlag gelernt – und sie würde alles tun, um ihre Familie zu schützen. Wirklich alles…

Meine bescheidene Meinung:
Wow! Das war mal wieder ein Buch, das ich fast in einem Rutsch weggelesen habe und das wohl auch noch einige Zeit nachhallen wird. Obwohl die Thematiken Todesstrafe und Gewalt in der Ehe/Beziehung für sich schon harter Tobak sind, hat Hollie Overton es geschafft, beides in einen spannenden Psychothriller zu packen ohne allzu sehr die Moralkeule zu schwingen.

Gleich zu Anfang des Buches im Bereich Über die Autorin sowie am Ende bei den Danksagungen erfährt man einiges über die Motive der Autorin, dieses Buch zu schreiben und man versteht auch einiges besser. Einem sei vorausgegriffen: wer ein vehementer Befürworter der Todesstrafe ist, dem wird dieses Buch wohl nicht allzu sehr zusagen.

Der Leser/die Leserin lernt gleich zu Anfangs Kristy Tucker kennen: eine toughe junge Frau, die mit ihrem kranken Vater und ihrem halbwüchsigen Sohn in der Nähe von Austin lebt und als Pressesprecherin in einem Gefängnis mit dazugehörigem Todestrakt arbeitet. Sie hasst ihren Job, der sie tagtäglich mit Verbrechern und Häftlingen, die auf ihre Hinrichtung warten, konfrontiert, braucht ihn jedoch um sich und ihre kleine Familie ernähren zu können. Hier wird sehr stark deutlich, was die Autorin von dem Staat Texas, mancher seiner Einwohner und dessen Politik hält.

Lance, der im YMCA Judo-Kurse gibt und dort Ryan, Kristys Sohn kennenlernt, erobert auch bald darauf das Herz dessen Mutter und Großvaters und so dauert es nicht lange, bis Christy und er sich das Ja-Wort geben. Leider muss Kristy kurz nach der Hochzeit feststellen, dass Lance nicht der ist, für den sie ihn gehalten hat und sie nun für Nichtigkeiten physisch als auch psychisch quält. Als Kristy herausfindet, dass er sowohl auf den Namen ihres Vaters als auch ihres Sohnes Lebensversicherungen abgeschlossen hat und unumwunden zugibt, dass Unfälle schnell passieren, wenn sie sich nicht so verhält, wie Lance es gerne hätte, beschließt sie, zu handeln.

Wie viele andere auch, war auch ich geschockt, dass sich eine Frau überhaupt von einem Mann misshandeln lässt – sowohl psychisch als auch durch physisch. Ich kann und will einfach nicht verstehen, dass ein Mensch einen anderen so sehr liebt bzw. so wenig Selbstwertgefühl hat, um das mit sich machen zu lassen. Erst recht nicht bei einer so toughen Frau Kristy, die ihren Sohn mit 17 bekam und seitdem ihr Leben mit Sohn und Vater komplett alleine wuppt.

Die Autorin schafft es jedoch wunderbar, die innere Zerrissenheit Kristys zu zeigen, die sich zeitweise selbst dafür hasst, dass sie bei Lance bleibt und zeigt dessen zwei Gesichter, die Kristy immer wieder die Hoffnung geben, dass er sich ändern wird. Sie ist in dem Fall also nicht das wehrlose Opfer, was man spätestens dann merkt, als sie beschließt, sich zu wehren.

Der andere Erzählstrang ist die Geschichte von Clifton Harris, ein Insasse im Todestrakt, mit dem Kristy schon seit 8 Jahren in regelmäßigem Kontakt ist und mit dessen Brief der Roman auch beginnt. Clifton bestreitet seit Anbeginn, seine Kinder in einem Hausbrand getötet zu haben und Kristy glaubt ihm und versucht, seine Unschuld zu beweisen.

Diesen Teil der Geschichte empfand ich als sehr emotional, zumal Clifton der Inbegriff von Anstand, Höflichkeit und allen anderen angenehmen Umgangsformen. Ich habe mit ihm gelitten und ihm gewünscht, dass in seinem Fall Gerechtigkeit widerfahren soll und bin ,mir immer noch nicht sicher, ob das das Ende hier toll finde oder nicht.

Was Kristy angeht, muss ich sagen, dass ich mehr als begeistert war vom Fortgang der Geschichte und auch dem Ende. Nicht konstruiert, spannend und intelligent erzählt – so wie ein Thriller sein soll und damit ausdrückliche Leseempfehlung!

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