[Rezension] [Hörbuch] Melanie Raabe – Der Schatten

3 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
Österreich, klingt spannend, das muss ich jetzt endlich mal fertig kriegen!

Das sagt der Verlag zum Buch:
Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Aus freien Stücken. Und mit gutem Grund.“ Gerade ist die junge Journalistin Norah von Berlin nach Wien gezogen, um ihr altes Leben endgültig hinter sich zu lassen, als ihr eine alte Bettlerin auf der Straße diese Worte förmlich entgegenspuckt. Norah ist verstört, denn ausgerechnet in der Nacht des 11. Februar ist vor vielen Jahren Schreckliches geschehen.

Trotzdem tut sie die Frau als verwirrt ab, eine Irre ist sie, es kann gar nicht anders sein – bis kurz darauf ein mysteriöser Mann namens Arthur Grimm in ihrem Leben auftaucht. Bald kommt Norah ein schlimmer Verdacht: Hat sie tatsächlich allen Grund, sich an Grimm zu rächen? Was ist damals, in der schlimmsten Nacht ihres Lebens, wirklich passiert? Und kann Norah für Gerechtigkeit sorgen, ohne selbst zur Mörderin zu werden?

Meine bescheidene Meinung:
Nachdem ich bereits 2015 Melanie Raabes Erstling Die Falle als Hörbuch inhaliert hatte und auch im Jahr darauf total begeistert von Die Wahrheit war, stand es außer Frage, dass ich auch ihren dritten Thriller lesen würde.

Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass es dieses Mal so lange dauern würde, bis ich dazu komme; aber unser Nachwuchs hat mein Hobby Lesen auf einen der hintersten Ränge verwiesen und so hab‘ ich mich mit der Hörbuch-Version aus meinem audible-Abo wieder in die Bücherwelt „zurückgehört“.

Man ist – wie bei Raabes beiden ersten Romanen auch – sehr schnell in der Handlung drin und es geht auch ohne viel Federlesens zur Sache, was mir sehr gefallen hat. Katja Bürkle hat eine für mich sehr angenehme, etwas tiefere Stimme, die die Atmosphäre im kalten, verregneten und verschneiten Wien perfekt zum Ausdruck bringt. Ich war zwar noch nie da, aber Raabe und Bürkle haben es durch Norahas Streifzüge durch die Stadt geschafft, mir diese äußerst realistisch vor Augen zu führen.

Die Protagonistin Norah ist das, was man wohl gemeinhin unter einer Einzelgängerin verstehen würde. Sie hat eine Handvoll ausgesuchter Freunde, macht beruflich lieber ihr eigenes Ding. Das, was mir Nora äußerst sympathisch gemacht hat – wohl, weil ich mich da in ihr wiedergefunden habe – , ist ihr extrem ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, der sie, wie oft auch mich, nicht nur in angenehme Situationen bringt.

Raabe schafft es – nicht zuletzt durch Erzählungen des Schattens (dazu komme ich noch später) – Norah sehr viel Leben einzuhauchen. Ich zumindest habe des öfteren eine attraktive dünne Frau in schwarz mit aufmerksamen Augen rauchend am Küchenfenster stehen und nachdenken sehen. Und auch sonst ist Norah dank den Erzählungen aus deren Vergangenheit eine recht greifbare Protagonistin, was für mich die Handlung nur noch viel spannender gemacht.

A propos Handlung: bis auf den ein oder anderen Aspekt, bei dem mich mir dachte Ähm, das ist jetzt aber schon ziemlich weit hergeholt, meinste nich, Frau Raabe? fand ich die Handlung, die Wendungen und auch das Ende absolut genial. Eine klitzekleine Kleinigkeit hatte ich vorhergesehen (was aber wohl mehr an meiner bombastischen Spürnase liegt ;-), aber ich fand es wirklich mehr als gelungen.

Jetzt mal zu den Stimmen: über Katja Bürkle hatte ich ja schon gesagt, dass ich sie mit ihrer ewas tieferen Stimme perfekt besetzt fand. Sie schaffte es, jeder Person und Situation Leben einzuhauchen und den Zuhörer in ihren Bann zu ziehen.

Dann hätten wir noch die Autorin, Melanie Raabe, selbst, die gegen Ende des Buches die Handlung, plötzlich von Norah in der Ich-Erzähl-Perspektive geschildert, liest. Melanies Stimme ist um einiges höher, mädchenhafter, leichter, unbeschwerter. Man könnte meinen, dies sei mit dem Charakter Norahs nicht vereinbar, doch das täuscht. Ich finde, es passt sogar sehr gut und gibt an dieser Stelle der Darstellung der Protagonistin einen letzten Feinschliff. Ich finde dafür, dass Frau Raabe den Job zum ersten Mal macht, tut sie es sehr gut.

Was mcih allerdings stört, ist die Tatsache, dass die 3. Person, die zwischendurch einige Passagen im Buch liest, nicht namentlich erwähnt wird. Ich habe jetzt während des Schreibens des Blogposts ein bisschen gegooglet und es wurde  behauptet, dies sei die Stimme des Schattens, der Norah durch Wien folgt und es würde absichtlich offen gelassen, ob Männlein oder Fräulein… Bisschen komisch, für mich hatte die Stimme sofort ein Geschlecht und ich entsprechend auch die Vermutung, ob Mann oder Frau hinter Norah her ist (womit ich auch richig lag); vielleicht werde ich die Autorin mal anschreiben und fragen – und dann entsprechend hier vermerken, denn das fuchst mich jetzt schon die ganze Zeit.

Dies tat dem Lesevergnügen allerdings keinen Abbruch und einen Punktabzug gibt es nur für den ein oder anderen zu konstruierten Sachverhalt – ansonsten: absolute Hörempfehlung!

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