[Rezension] Rana Ahmad – Frauen dürfen hier nicht träumen

3 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
Saudi Arabien – das Land der Männer, irgendwie passieren Leuten, die ein Buch schreiben, immer die krassesten Dinge, die Zeit hätt‘ ich mir auch sparen können

Das sagt der Verlag zum Buch:
Flirrende Hitze, in der Sonne glitzernde Wolkenkratzer: Saudi-Arabien ist eines der reichsten Länder der Welt. Beherrscht von Scharia und der Religionspolizei. Als Zehnjährige muss Rana sich zum ersten Mal verschleiern. Sie soll die Sonne auf der Haut nicht mehr spüren, darf ohne männliche Begleitung nicht mehr auf die Straße. Rana fehlt die Luft zum Atmen, sie beginnt zu zweifeln: an Gott. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe. Auch deshalb beschließt sie auszubrechen.

Meine bescheidene Meinung:
Da ich mich ja von Haus aus für den Islam und das Leben in Nahost und Nordafrika interessiere, fragte ich dieses Buch begeistert beim Verlag an, weil der Klappentext doch recht vielversprechend klang.

Als ich das Buch dann in den Händen hielt, wollte ich vor Beginn der Lektüre nochmal kurz die Autorin googlen um einen ersten Eindruck von ihr zu bekommen. Vom heutigen Standpunkt aus gesehen, denke ich, es wäre besser gewesen, ich hätte mir ihren  Instagram-Account nicht angesehen, denn dort sah man fast nichts anderes als Selfies – bevorzugt solche, die ihre Oberweite zur Geltung brachten. Nicht falsch verstehen – kann jeder machen, wie er möchte und ich kann mir bis zu einem gewissen Grad vorstellen, dass, wenn man aus solch einem Land wie Saudi Arabien geflohen ist, die Freiheit, zu tun und zu lassen, was man möchte, genießen will, aber von einer Autorin und selbst ernannten Women’s Rights Campaigner (so steht’s in der Insta Bio) erwarte ich irgendwie dann doch ein bisschen mehr als eine Armada von Bildchen von sich selbst ohne Text oder sonstwas. Ich hatte dann eins ihrer Bilder dahingehend enttäuscht kritisch kommentiert und auch geäußert, dass ich ihr Buch lese, woraufhin ich sofort blockiert wurde. Danke auch.

Ich muss gestehen, entsprechend bedient war ich – habe das Buch aber trotzdem gelesen und muss sagen: ich hätt’s mir sparen können. Nicht, dass es schlecht wäre – nein. Ahmad nimmt die Leserschaft mit nach Saudi Arabien und erzählt von ihrem Leben dort – eingestreute Kindheitserlebnisse machen das Erzählte lebendig und der durchschnittliche Westeuropäer möchte STOP, das geht so nicht! schreien, als der kleinen Rana ihr Fahrrad weggenommen und dem Bruder geschenkt wird, weil sich Radfahren für junge Frauen eben nicht mehr gehört.

Es bleibt aber nicht bei diesen Kindheitserinnerungen, sondern es spielen auch Übergriffe und andere Begebenheiten eine Rolle, bei denen ich mich immer wieder frage: warum passieren gerade Menschen, die später ein Buch schreiben, so viele Dinge, wie sie sonst vielleicht gerade mal einer Handvoll anderer Leute zustoßen? Sind diese Leute ordinär gesagt Scheiße-Magneten, die jeden Mist anziehen oder wurde da ein bisserl was hinzugedichtet? Mich hat das ein oder andere (wie z. B. auch dass sie ihr saudisches Handy wohl Ewigkeiten nicht eingeschaltet hat) ein bisschen ratlos zurückgelassen – ich konnte das Gelesene irgendwie nicht wirklich einordnen. Abgesehen davon empfand ich das ganze Erlebte irgendwie wie eine Auflistung von Geschehnissen. Mir hat irgendwie die Seele dahinter gefehlt und Rana blieb mir – ebenso wie die Selfies auf ihrem Insta-Account – blass und oberflächlich zurück.

Chapeau für ihren Mut, Saudi Arabien zu verlassen und ein Buch über das Tabu Atheismus im Islam zu schreiben (unter der Scharia steht auf die Abwendung vom Glauben die Todesstrafe). Für mir waren leider Buch und Autorin nicht wirklich was und ich habe aus der Lektüre auch nicht wirklich was mitgenommen.

Ein Bücherbäumchen für das Aufmerksam-Machen eines wenig beachteten Themas.

Bibliothek

ahmad


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