[Rezension] Andrea Sawatzki – Der Blick fremder Augen

3 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
Endlich ein neuer Thriller von Andrea Sawatzki!, klingt ziemlich psycho, Melanie Fallersleben ist zurück!

Das sagt der Verlag:
Die Tote lehnt am Stamm einer Kiefer. Ihr Gesichtsausdruck ist entrückt, die Wimperntusche verschmiert, die Kehle durchtrennt. Kommissarin Melanie Fallersleben hat zunächst kaum verwertbare Spuren, und der Täter wird durch sein scheinbar ganz normales Leben allzu gut verborgen. Auch die folgenden Morde liefern der Ermittlerin keinen echten Hinweis. Doch dann erhält sie eine erste verstörende Botschaft …

Meine bescheidene Meinung:
Um gleich mal mit der Tür ins Haus zu fallen: ich bin – das denke ich zumindest im Nachhinein – mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen. Wie oben schon gesagt, habe ich mich sehr über die Erscheinung eines neuen Thrillers von Andrea Sawatzki gefreut und war noch begeisterter, dass sie mit Melanie Fallersleben die Ermittlerin aus Ein allzu braves Mädchen wieder ins Spiel bringt.

Nachdem mir Sawatzkis Vorgänger-Thriller schon sehr gut gefallen hatte, war ich entsprechend gespannt. Das Ding ist allerdings – und damit verrate ich nicht zuviel – dass es schon nach wenigen Seiten klar ist, wer der/die Täter/in ist, es also vielmehr um das Wieso? Weshalb? Warum? geht. An und für sich ja nicht schlimm, aber wenn man sich auf nen ordentlichen Psycho-Thriller gefreut hat (und der Prolog hat da einiges versprochen), ist man eben ein bisschen enttäuscht.

Sowohl Melanie Fallersleben als auch ihr Kollege Steffen Müller sind äußerst authentisch gezeichnet und ich hatte beide auch direkt vor Augen – was ja schon mal ein gutes Zeichen ist. Trotzdem hat mich was gestört, was ich zuerst nicht so richtig benennen konnte. Vorrangig war dies  die fast nicht vorhandene Ermittlungsarbeit; aber darauf war der Roman ja offensichtlich auch nicht ausgelegt. Zum anderen war es bei Frau Fallersleben die in meinen Augen zu deutliche Ähnlichkeit mit Julia Durant, der Frankfurter Kommissarin des verstorbenen Andreas Franz: ähnlich wie die hessische Hauptkommissarin war mir Fallersleben zu burschikos, zu alleingängerisch, fachlich zwar äußerst kompetent, aber von Social Skills keine Spur. Auch auf privater Ebene war die Parallele getrennt lebend und kinderlos sofort erkennbar.

Steffen Müller mochte ich gerne, zumal er ein bisschen verpeilt war und es immer wieder – leider meist vergebens – versuchte, seiner Chefin alles recht zu machen. Dass er schwul und vegan war und beides auch immer wieder erwähnt werden musste, war mir zwar ein bisschen zu viel des Guten an Klischees, aber hat mich nicht weiter gestört, da ich ihn – wie schon oben gesagt – mochte.

Das Buch an sich ist flüssig geschrieben. Wie bereits bei Ein allzu braves Mädchen sind die Kapitel wieder kurz und knackig gehalten und ich bilde mir da ja gerne ein, dass ich schneller voran komme… Andrea Sawatzki schafft es erneut, eine deprimierende, graue, trostlose Stimmung zu erzeugen. Diese Atmosphäre passt ganz wunderbar zur Protagonistin Kathrin Minkus. Sie ist jung, verheiratet und Angestellte einer Drogerie. Eigentlich ein recht durchschnittliches, normales Leben, wenn da nicht diese tiefe Traurigkeit wäre, die sie umgibt und nicht loszulassen scheint. Über die 304 Seiten des Buches erfährt der Leser immer mehr über die Umstände und sowohl die Morde als und auch die Ermittlungsarbeit (die nicht wirklich erwähnenswert ist), rücken komplett in den Hintergrund.

Was am Ende bleibt ist ein Psychogramm einer gequälten Seele. Sehr leise und subtil erzählt – was an und für sich schon eine ziemliche Kunst ist und mich auch zu begeistern wusste. Da ich die Handlung beim Lesen so genau vor Augen hatte, kann ich mir das Buch auch sehr gut verfilmt vorstellen; dabei wäre die Tatsache, dass Frau Fallersleben ebenso wie Frau Sawatzki rothaarig und Anfang 50 ist, sicher ganz hilfreich.

Alles in allem ein gutes und auch auf seine spezielle Art spannendes Buch, das mich aufgrund meiner Erwartungshaltung und der Tatsache, dass es mehr psycho als Thriller war, nicht ganz überzeugen konnte.

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