[Rezension] S. K. Tremayne – Eisige Schwestern

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
Thriller, tolles Cover,

Das sagt der Verlag zum Buch:
Ein Jahr nachdem die sechsjährige Lydia durch einen tragischen Unfall ums Leben kam, sind ihre Eltern Sarah und Angus psychisch am Ende. Um neu anzufangen, ziehen sie zusammen mit Lydias Zwiillingsschwester Kirstie auf eine atemberaubend schöne Privatinsel der schottischen Hebriden. Doch auch hier finden sie keine Ruhe. Kirstie behauptet steif und fest, sie sei in Wirklichkeit Lydia, die Eltern hätten den falschen Zwilling beerdigt.

Bald hüllen Winternebel die Insel ein, Angus ist beruflich oft abwesend, und bei Sarah schleicht sich das unheimliche Gefühl ein, etwas stimme nicht. Zunehmend fragt sie sich, welches ihrer Mädchen lebt. Als ein heftiger Sturm aufzieht, sind Sarah und Kirstie komplett isoliert und den Geistern der Vergangenheit ausgeliefert.

Meine bescheidene Meinung:
Auf diesen Thriller hatte ich mich ganz besonders gefreut; toter Zwilling und der Lebende, der behauptet, in Wirklichkeit die Tote zu sein in Zusammenspiel mit abgelegener Insel am Popo der Welt – was will frau mehr?

Jetzt, wo ich das Buch ausgelesen habe, weiß ich, was ich gerne noch gewollt hätte – aber von Anfang an.

Das Erste, was mir auffiel, war, dass ich keinen der Protagonisten mochte, bzw. nur bedingt sympathisch fand. Klar, man muss nicht jeden mögen (ich will auch nicht von jedem gemocht werden!), aber zumindest eine Person, für die man so etwas wie Sympathie empfindet, finde ich doch recht förderlich. Allerdings machten es mir sowohl Sarah und Angus – die Zwillingseltern – ebenso schwer wie die kleine Kirstie.

Lydia, Kirsties Zwillingsschwester, kam bei einem Unfall im Haus von Sarahs Eltern ums Leben und Sarah und Angus möchten nun – über ein Jahr nach der Tragödie – einen Neuanfang wagen. Der Plan ist, in das Haus von Angus‘ Großmutters Haus auf der schottischen Insel Eilean Torran, das sie geerbt haben, zu ziehen. Alleine für diese Entscheidung hätte ich die beiden nehmen und mal eine Runde schütteln mögen: Es ist mehr als klar, dass sich das Haus am Arsch der Welt befindet, die Familie hat nicht mal ein Boot, um bei Flut auf die Hauptinsel Ornsay zu gelangen und das Haus der verstorbenen Großmutter ist nicht wirklich bewohnbar. Sarah, die Mutter, war selbst noch nie da und kennt die Insel nur von Google. Das erinnert mich irgendwie an Goodbye Deutschland – die Auswanderer auf VOX – da könnte ich ob der kreischenden Naivität und Dummheit auch am Stück schreien – aber gut.

Entsprechend der oben genannten Vorzeichen ist es nicht überraschend, dass das Leben auf Torran ziemlich ungeordnet und unharmonisch beginnt, wenn dies ein Neuanfang für ein besseres Leben – vor allen Dingen für die kleine Kirstie – oder doch Lydia? – sein soll, ist das genauso naiv wie der Gedanke, dass Angus sofort einen gut bezahlten Job bekommt und die Familie auf dem Boot, das sie nicht haben, in den Sonnenuntergang schippert. In der Schule läuft es auch aus dem Ruder, da Lydia (man hat sich jetzt drauf geeinigt, dass es nicht Kirstie ist) am liebsten mit Kirstie spielt und die anderen Kinder sie entsprechend gruselig finden.

Ich kann schon nachvollziehen, dass die Kleine nach dem Tod der Schwester ein Trauma hat und es ist ja auch bekannt, dass Zwillingsgeschwister ein ganz besonderes Band verbindet. Aber gerade das war es, was mir einfach zu sehr ausgelutscht wurde. Sarah liest hierzu massig an Literatur und es kommt gefühlt ständig zur Sprache. Lange Rede, kurzer Sinn: ich konnte Kirstie/Lydia auch nicht wirklich was abgewinnen – entsprechend „begeistert“ gestaltete sich die Lektüre.

Wie schon zu Beginn kurz angerissen, zieht die Familie aufs schottische Eiland. An und für sich sehr schön und für einen Thriller bestens geeignet. Aber auch hier finde ich, hat es der Autor auch hier ordentlich übertrieben: die raue See, die Einöde, den kalten Wind zu beschreiben kann schon sehr atmosphärisch sein – aber hier wurde die Umgebung so detailliert geschildert, dass es schon die ein oder andere Länge erzeugte und mir entsprechend langweilig wurde.

Auch wenn es jetzt nicht so klingt, so fand ich das Buch doch nicht gänzlich schlecht – ich wollte natürlich erfahren, was wirklich passiert ist und ob Kirstie nun wirklich Kirstie oder nicht vielleicht doch Lydia ist. Die Auflösung fand ich zwar stimmig, aber auch ziemlich unbefriedigend, da es im Vornherein leider gar keinen entsprechenden Anhaltspunkt gab. Das Ende hingegen hat mir gut gefallen – weil es einfach gepasst hat, aber auch hier scheiden sich die Geister.

Fazit: Psycho: ja. Thriller: naja. Idee: gut. Umsetzung: dürftig. Charaktere: leider nur bedingt ertragbar.

Bibliothekhalbeseisige schwestern


2 Gedanken zu “[Rezension] S. K. Tremayne – Eisige Schwestern

  1. Huhu,
    das Buch liegt auch schon ein Weilchen auf meinem Wunschzettel. Das Cover und der Klappentext sah bzw, hörte sich vielsprechend an.
    Ach, und naive bzw. nervige Buch-Charaktere kenne nur zu gut. Da möchte man immer eine Runde Backpfeifen verteilen! 😉
    Danke für deine tolle Rezi! 🙂
    LG Melli

    1. Liebe Melli, danke für den lieben Kommentar! Geschmäcker sind Gott sei dank verschieden; bin auf Deine Meinung gespannt, wenn es von der WuLi ins Regal wandert!

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