[Rezension] [Hörbuch] Melanie Raabe – Die Falle

5 Dinge, die mir spontan zum Hörbuch einfallen:
Hype, tolles Cover, wer ist eigentlich Melanie Raabe?, Wahnsinns-Sprecher, mehr davon!

Das sagt der Verlag zum Hörbuch:
Die berühmte Bestsellerautorin Linda Conrads lebt sehr zurückgezogen. Seit elf Jahren hat sie ihr Haus nicht mehr verlassen. Als sie im Fernsehen den Mann zu erkennen glaubt, der vor Jahren ihre Schwester umgebracht hat, versucht sie, ihm eine Falle zu stellen – Köder ist sie selbst.

Dass sie darüber hinaus eine schreckliche Erinnerung aus der Vergangenheit quält, wissen nur wenige. Vor vielen Jahren hat Linda ihre jüngere Schwester Anna in einem Blutbad vorgefunden – und den Mörder flüchten sehen. Das Gesicht des Mörders verfolgt sie bis in ihre Träume. Deshalb ist es ein ungeheurer Schock für sie, als sie genau dieses Gesicht eines Tages über ihren Fernseher flimmern sieht. Grund genug für Linda, einen perfiden Plan zu schmieden – sie wird den vermeintlichen Mörder in eine Falle locken. Doch was ist damals in der Tatnacht tatsächlich passiert?

Meine bescheidene Meinung:
Was für ein Hype! Anfang März wurde in Bloggerkreisen von fast nichts anderem gesprochen als von Melanie Raabe und ihrem Erstling. Kein Wunder also, dass auch ich neugierig war. Kurze Zeit später flatterte das Hörbuch ins Haus und es konnte losgehen.

Ich tue mir mit der Rezension ein bisschen schwer, weil es bei diesem (Hör-) Buch gar nicht so einfach ist, seine Meinung zu begründen ohne zu viel verraten – aber ich probier’s mal.

Also eins kann ich schon mal vorweg nehmen: wer großartige Action in Form aktiver Handlung erwartet, wird hier enttäuscht. Schon alleine bedingt durch die Tatsache, dass Linda Conrads das Haus nicht verlässt, spielt sich die meiste Handlung in den vier Wänden der Autorin ab, in denen sie entweder alleine mit Hund Bukowski, ihrer Haushaltshilfe und eben Victor Lenzen, der vermeintliche Mörder ihrer Schwester Anna.

Das ist allerdings absolut zu verschmerzen, weil man hierdurch einen ungefilterten Blick in Lindas Leben und ihr Innerstes bekommt. Sie kämpft mit Zweifeln und Angst: Zweifel, ob es wirklich Victor Lenzen war, den sie gesehen hat und Angst, ob nicht vielleicht sogar sie ihre Schwester getötet hat, denn das beste Verhältnis hatten die beiden Frauen nicht wirklich…

Das Buch kommt am Anfang mit einigen Längen daher, so dass ich dachte: ‚also wenn das so weiter geht, dann ist das schon ziemlich lahm‘, nimmt aber dann ziemlich Fahrt auf. Spätestens dann, als der Leser zwischen dem Roman „Die Falle“ und dem Roman im Roman, geschrieben von Linda Conrads, hin- und her springt.

Das Treffen zwischen Linda und Victor Lenzen gleicht einem Katz und Maus-Spiel und ich wusste irgendwann gar nicht mehr, was ich glauben sollte und was nicht, da versteht Melanie Raabe es meisterlich, den Leser in die Irre zu führen – Psycho auf höchstem Niveau! Meisterlich ist auch ihr Schreibstil. Da wird sich nicht groß mit verschachtelten Sätzen, die eine Minimal-Wortanzahl von gefühlten 150 nicht unterschreiten dürfen, rumgemacht: die Sätze sind klar, kurz und knackig. Leicht verständlich ohne tump zu wirken: so, wie ich es mag.

Die Atmosphäre wurde sehr gut vermittelt: ich konnte die Villa und das Anwesen am Starnberger See bildlich vor mir sehen und ich mochte Linda Conrads, die trotz, oder gerade weil der herrschenden Umstände eine sehr „aufgeräumte“ Person ist, sehr. Sie ist zwar durch den Umstand, dass sie das Haus nicht verlässt, keine Interviews gibt und abgesehen von ihrer Haushälterin und ihrem Verleger keinen großartigen Besuch bekommt, eingeschränkt, scheint sich hiermit aber sehr gut arrangiert zu haben: Dank Internet und Fernsehen (wo sie dann auch Victor Lenzen sieht) ist sie bestens informiert und durch Telefon und E-Mail nicht allzusehr von der Außenwelt abgeschnitten. Abgesehen davon hilft ihr ihr Hund Bukowski nicht unwesentlich, soziale Bindungen zu pflegen.

Das Ende war dem Roman absolut würdig und in sich stimmig und entgegen meiner urspünglichen Meinung, es sei nicht so wichtig, muss ich nun sagen: doch, war es – und es hätte nicht anders sein dürfen!

Was mich am Hörbuch irritiert hat, war die Stimme der Vorleserin, Birgit Minichmayr, bei der ich mir dachte ‚wie können die nur so eine alte Frau das lesen lassen – das passt doch gar nicht!‘, denn das verstärkt das Bild von Linda Conrads, die gerade mal 38 ist, auf mich jedoch wie eine End-Fünfzigerin wirkte, umso mehr. Bis ich dann einen Blick auf Frau Minichmayrs Vita warf und feststellte, dass die gute Frau auch gerade mal 38 ist. Ich habe mir im Nachhinein nochmal eine Passage angehört und denke mittlerweile, dass es ganz gut passt – also hat meine Meinung auch hier mal wieder eine Kehrtwendung gemacht.

Für mich ein toll gemachter Thriller mit einer Idee, die ich so noch nicht kannte, lebensechten Charakteren, die nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen und einer spannungsgeladenen, sehr stimmungsintensiven Atmosphäre.

Leider auch mit einigen Längen am Anfang, so dass es „nur“ 4 Bücherbäumchen geworden sind. Absolute Lese-, bzw. Hörempfehlung, bei der ich auch Devid Striesows tolle Stimme, die als Kommissar Julian Schumer (den man sich mMn hätte sparen können) zum Einsatz kommt, nicht unterschlagen will.

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Hier könnt Ihr ins Hörbuch reinhören!

falle


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