[Rezension] Judith Merchant – Die Lügen jener Nacht

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
tolles Cover, noch tollerer Titel, noch viel tollerer Klappentext, durch die Bank unsympathische Charaktere, warum ist die Frau auf dem Cover unter Wasser?

Das sagt der Verlag über das Buch:
Als sie zur Hochzeit ihrer Studienfreundin geladen wird, ist Mimi zunächst skeptisch – hat sie doch den Kontakt lange sträflich vernachlässigt. Doch unerwartet herzlich wird sie im alten Bonner Freundinnenkreis aufgenommen, und spätestens nach der Junggesellinnenparty im nächtlichen Römerbad ist es, als sei sie nie fortgewesen. Am Hochzeitsmorgen aber bringt ein entsetzlicher Todesfall alles ins Wanken. Misstrauen kriecht in die eingeschworene Gruppe, und langsam beschleicht Mimi ein furchtbarer Verdacht: Hat man sie nur zur Hochzeit eingeladen, um ihr einen Mord in die Schuhe zu schieben?

Meine bescheidene Meinung:
Als ich von diesem Buch das erste Mal hörte, wusste ich: das MUSST du lesen. Das hab ich dann auch kurze Zeit, nachdem ich es bekommen habe, getan und darüber sogar einen ich lese gerade…-Beitrag gepostet, so begeistert war ich.

Leider muss ich sagen, dass die anfängliche Euphorie nicht so lange wie gewünscht anhielt: aber erst mal von Anfang an.

Das Wichtigste zuerst: ich mochte fast niemanden und am allerwenigsten Mimi. Das macht einem (zumindest mir) das Lesen  jetzt nicht unbedingt leichter, der Plot war anfangs einfach so spannend, dass ich meine Antipathien gegenüber den Damen zur Seite schob und mich stattdessen auf jede freie Minute, in der ich lesen konnte, freute.

Das Buch liest sich recht flüssig weg bis auf einige Längen in der Handlung. Judith Merchant ist in meinen Augen eine Meisterin, die im Buch herrschende Atmosphäre 1 zu 1 auf den Leser zu übertragen: Kurz nach dem Mord sitzen die Freundinnen an einem schwül-heißen Nachmittag zusammen im Garten, schauen den Kindern beim Spielen zu und trinken Limonade. Ich habe plötzlich gemerkt, wie ich die Wärme auf der Haut spürte und – ähnlich wie die Mädels im Buch – leicht träge und müde wurde. Wahnsinn, sowas hab ich in der Form wirklich selten erlebt! Toll!

Und auch die Figuren – allen voran die Freundinnen Grit, Simone, Alla (von Nina, der Braut bekommt ja nicht allzu viel mit) und eben Mimi – wurden sehr genau gezeichnet, was eben auch dazu führte, dass ich keine von ihnen leiden konnte. Die eine zu duckmäuserisch, die Zweite zu dominant, die Dritte ein Karriereweib, das lediglich darauf bedacht ist, was andere von ihr denken könnten und last, but not least: Mimi. Eine Frau ohne wirkliche Motivation, keine Perspektive, kein Zuhause. Eine Frau, die relativ skrupellos mit dem Besitz anderer umgeht und Verhaltensweisen einer 17jährigen an den Tag legt. Einfach schrecklich. Trotzdem sind alle 4 Ladies sehr lebensecht, denn mal ehrlich: Eine jede von ihnen kennt man doch zumindest aus dem Bekanntenkreis, oder?

Was Mord und die Auflösung angeht, war ich Anfangs noch Feuer und Flamme, zumal Mimi sich an die Hälfte der Begebenheiten in der Vergangenheit, von denen ihre Freundinnen erzählen, nicht erinnern. Zum Ende hin wurde es mir leider ein bisschen zu konstruiert. So fand ich zwar den Mörder/die Mörderin (den/die ich von Anfang an zwar nicht im Verdacht hatte, aber recht suspekt fand) und sein/ihr Motiv gut gewählt, aber die Art, wie Mimi hier involviert war, etwas unglaubwürdig.

Ein gut gemachter Thriller mit interessanten Nebenschauplätzen und Protagonisten, denen man gerne die Pest an den Hals wünscht. Es hätte in meinen Augen gerne noch etwas thrilliger sein dürfen.

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Wer gerne mal in Die Lügen jener Nacht reinlesen möchte, kann dies hier tun.


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