[Rezension] Karen-Susan Fessel – Liebe macht Anders

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen: dünnes Buch – juhuu!, rosa, Liebe, traurig?, lest bloß nicht die Kurzbeschreibung!

Das sagt der Verlag über das Buch: Anders ist neu in der Klasse. Er sieht super aus und hat etwas Geheimnisvolles an sich. Schnell entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen ihm und Sanne. Das passt Robert, dem bisher unangefochtenen Sunnyboy und Ex-Freund von Sanne überhaupt nicht und er beginnt in Anders‘ Vergangenheit zu graben: Nicht nur, dass der Typ keinen Facebook-Account hat – man findet ihn überhaupt nirgends im Netz. Irgendetwas ist da faul! Als Robert entdeckt, dass der Neue gar kein „richtiger“ Mann ist, wird es gefährlich für Anders. Richtig gefährlich. Und Sanne muss hilflos dabei zusehen.

Meine bescheidene Meinung:
Ich habe dieses Buch vom Verlag zugeschickt bekommen, ohne großartig zu wissen, worum es geht und bin im Nachhinein sehr froh darüber. Deshalb habe ich einen Teil des Verlagstextes geweißelt um nicht zu spoilern. Wer trotzdem wissen will, worum es geht, zieht einfach mit der Maus drüber.

Das Buch hat gerade mal 176 Seiten – perfekt für den SuB-Abbau und ein paar gemütliche Stündchen auf dem Sofa. Obwohl das Thema ein recht ernstes ist, las sich das Büchlein weg wie nix. Dies lag nicht nur an der spannenden Handlung, sondern auch an den knackigen Kapiteln (ich hasse nichts mehr als wenn ein Kapitel 80 Seiten hat) und der sehr flüssigen Schreibe.

Der Anfang des Buches markiert zugleich das Ende der Handlung und der Leser weiß sehr schnell: ich bin hier mitten in einem Polizei-Verhör – da ist wohl ein bisserl was passiert in den kommenden 170 Seiten. Neugierig ist man also schon mal. Und Frau Fessel macht es einem auch sonst wirklich leicht – denn man ist sofort in der Handlung drin und ein Gedanke befiel mich sofort und ließ mich auch nach der letzten Seite nicht mehr los:

WAS BIN ICH FROH, DASS ICH KEIN TEENAGER MEHR BIN!

Entschuldigt bitte, aber als ich das hier las und teilweise auch an früher zurückdenke, werde ich richtiggehend aggressiv. Dieses widerliche Cliquengehabe: an vorderster Stelle irgendein Superhengst, in Wirklichkeit ein total verunsicherter Junge ohne jegliches Selbstbewusstsein, der aber ein solch abscheuliches Arschloch ist, dass man ihm den ganzen Tag eigentlich nur in die Fresse schlagen möchte, ist ja nicht mal das schlimmste. Die wirklich ekelerregenden Kreaturen sind die Mitläufer, die diesem „Anführer“ ja erst seine Daseinsberechtigung geben. Ekelhaft.

Nun ja, sei’s drum – von beider Sorte gibt es im Buch welche und das macht die Handlung dann auch sehr authentisch. Denn jeder kennt Robert. Von Beruf Sohn, der von Mami, Papi und dem philippinischen Hausmädchen alles in den Poppes geblasen bekommt und auf dem Schulhof der Geilste überhaupt ist und entsprechend nur mit Gefolge auftritt. Jeder kennt auch Sanne: die Jungs wollen sie, die Mädels wollen sein wie sie. Von den restlichen Schmalspurprotagonisten, die sich gegenseitig aufhetzen und nur nach dem nächsten Opfer suchen, muss ich nicht reden.

Und dann kommt Anders und bei dem ist Name Programm. Ich mochte ihn sofort: seine ruhige, arsch-geduldige und leicht sarkastische Art hat mich oft denken lassen: Junge, du bist cool – gib’s den Spacken ordentlich! Leider ist Anders zu cool für Robert und Konsorten und je mehr sich Sanne (Roberts Ex – auch das kennen wir alle) für Anders interessiert, desto wütender wird Papis Sohn.

Was dann passiert, ist hässlich und dürfte in unserer heutigen ach so aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr sein, aber auch das sind Jugendliche dieses Kalibers: böse und feige. Und wieder punktet Karen-Susan Fessel mit ihrer Art, den Personen und Situationen ein Gesicht zu geben. Jeder von Euch hat bestimmt schon mal einen Jugendroman gelesen, der von lols und anderen möchtegern-jugendlichen Ausdrücken so gestrotzt hat, dass man sich gerne zum Erbrechen ins heimische Klo verzogen hätte. Nicht hier. Klar wird lockerer gesprochen als es vielleicht Erwachsene tun würden, aber es hat einfach gepasst (und das sagt Euch eine Greisin, die auf Anfang/Mitte 30 zugeht 😉 ).

Die Richtung, in die die Wahrheit um Anders geht, ist recht bald vorhersehbar, aber gut, das Buch hat auch nur knappe 180 Seiten, da muss man verhältnismäßig schnell in die Pötte kommen. Trotzdem war ich von dem Buch an sich und auch dem Ende sehr beeindruckt.

Bleibt für mich nur zu hoffen, dass sich die Zeiten ändern, die Aufklärung zum Anders-Sein vorangeht und frau 15 Jahre nach stundenlangem Pressen und Hecheln nicht feststellen muss, dass sie einen Robert zur Welt gebracht hat.

Für begeisterte Leser von Jana Frey ist dieses Buch ein Muss – für alle anderen eine klare Leseempfehlung!

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Liebe macht Anders


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