[Rezension] Johanna Rosen – Liberty Bell, Das Mädchen aus den Wäldern

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
tolles, wertiges Papier, spannende Geschichte, wunderschönes Cover, ist mal was anderes als diese ständigen Dystopien, warum gerade Liberty Bell?

Das sagt der Verlag zum Buch:
Ein Mädchen, das in den Wäldern aufwächst. Ein Junge, der sie liebt. Und ein Geheimnis, das droht, ihre Liebe zu zerstören. Eine uralte Hütte inmitten der tiefen Wälder – dort finden Ernesto und seine Freunde, die eigentlich nur auf ein Sommerabenteuer aus sind, das Mädchen.

Es ist allein, verstört und wunderschön. Doch als es Ernesto endlich gelingt, Liberty Bells Vertrauen zu erlangen, werden sie verraten. Während das Mädchen aus den Wäldern in eine Welt geworfen wird, in der alles neu, laut und beängstigend ist, beginnt Ernesto um sie zu kämpfen. Bis ein barbarischer Mord geschieht und klar wird, dass offenbar jemand aus der verschlafenen Kleinstadt Old Town sein ureigenes Interesse daran hat, das Geheimnis von Liberty Bells Herkunft für immer zu bewahren.

Meine bescheidene Meinung:
Endlich mal ein Jugendbuch, das sich richtig spannend anliest und nicht gleich in einer fremden Welt, Galaxie oder was-weiß-ich-wo spielt! Als ich den Klappentext las, war ich sofort angetan und das sollte sich während des Lesens auch nicht ändern. Das erste, was mir beim ersten Reinschmökern auffiel, war das die tolle Qualität des Papiers. Schneeweiß, schön dick – ich musste sofort an die Bücher der Edelsteintrilogie denken – richtig wertig, da macht das Lesen doch gleich umso mehr Spaß!

Was mich bei dem Buch sofort ansprach, war die Situation, in der sich Liberty Bell befindet: für uns Durchschnitts-Mitteleuropäer ist es nun wirklich nicht einfach vorstellbar, in einer Lehmhütte mitten im Wald zu leben und sich von dem, was die Natur einem gibt (lecker Ratten!) zu ernähren. Auch der Prolog, der einem ob der perversen Ader des Unbekannten ein bisschen den Hals zuschnürt, lässt den Leser darauf brennen, zu erfahren, worum es geht.

Ronan, ein Sechstel des Gespanns bestehend aus ihm, Ernesto, Salvatore, Jaden, Dara und Mose, filmt auf einer seiner Radtouren ein Mädchen, das tief im Wald nackt badet und zeigt das Video abends darauf seinen Freunden. Neugierig auf das sonderbare Mädchen, wollen sich von der Authentizität des Videos überzeugen und fahren in den Wald. Dort finden sie Liberty Bell alleine in einer Hütte vor und es kommt sogar zu einem kurzen Gespräch zwischen ihr und Ernesto, aus dem letzterer jedoch nicht sonderlich schlau wird.

Danach geht alles ziemlich schnell: die Jungs werden von einem aus den eigenen Reihen verraten und Liberty von der Fürsorge ins Krankenhaus gebracht. Man versucht, ihre Identität und die ihrer Ziehmutter herauszufinden und Ernesto und Liberty kommen sich im Zuge der Ermittlungen immer näher. Doch das ist nicht der einzige Schauplatz der Ereignisse: der Leser erfährt immer mehr Einzelheiten und Gedanken eines Unbekannten, die – abgesetzt in kursiver Schrift – in die laufende Handlung eingebunden werden und es scheint jemandem im Kreis der Jungen sehr daran gelegen zu sein, den ein oder anderen Mitmenschen tot zu sehen. Spannung ist also garantiert und hat mich ehrlich gesagt mehr gepackt als das Tohuwabohu um Liberty Bell.

Ich muss allerdings auch sagen, dass ich mit dem Mädchen nicht wirklich was anfangen konnte. Ich hätte erwartet, dass man – zurück in der Zivilisation „anders“ ist, wenn man so lange Zeit unter den Umständen lebt, wie sie bei ihr herrschten. Für mein Dafürhalten hat sie sich jedoch zu schnell und dafür recht unrealistisch an die neue Welt „gewöhnt“ und sich recht ungewöhnlich verhalten. Wo wir schon mal bei Realitätsferne wären: wie wahrscheinlich ist es denn bitte, dass jemand jahrelang im Wald lebt und das niemand mitbekommt? Sorry, aber ich fand das ziemlich an den Haaren herbeigezogen – hat jedoch mein Lesevergnügen nicht wirklich geschmälert.

Warum Liberty Bell nun so heißt, wie sie heißt, kann ich leider auch nicht sagen, aber es hat ganz gut gepasst. Ich fand die Charaktere toll herausgearbeitet, gerade um Ernestos Person und Umfeld spinnt sich ein ganzes Netz um Drama, Lügen und Elend, was ich sehr gut gemacht und spannend konstruiert fand.

Ein tolles Buch mit der ein oder anderen Schwäche, das jedoch mit sehr viel Spannung, klugen Wendungen und einem für mich fulminanten Ende punkten konnte und die kleinen Ungereimtheiten damit locker ausbügeln konnte.

Hier könnt ihr in Liberty Bell reinlesen.

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LibertyBell


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