[Rezension] Amir Al-Amin – Der Imam auf der Parkgarage: Wie ich lernte, ein guter Staatsbürger zu sein

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
Islam, Österreich, Moschee, tolles Cover (aber bitte ohne das Kamel!), interessanter Titel (aber bitte ohne den Zusatz!)

Das sagt der Verlag über das Buch:
Im Jahr 1990 kommt Amir Mohammed Al-Amin aus Sudan nach Europa. Er ist kein Flüchtling und sucht auch nicht um Asyl an. Amir Al-Amin kommt aus gutem Hause. Was den jungen Mann antreibt, ist Neugier, er will reisen und die Welt kennenlernen. Schließlich bleibt er in Österreich hängen. Er bekommt Jobs in Reinigungsfirmen und als Hilfskraft in Bäckereien, wird aber immer wieder hinausgemobbt. Er wohnt in Obdachlosen-Unterkünften, weil er als Schwarzer sonst kein Zimmer bekommt. Amir Al-Amin paukt Tag und Nacht Deutsch, um sich zu „integrieren“, wie so oft von ihm gefordert wird.

Schließlich bekommt er in Kärnten eine Arbeit als Religionslehrer und Imam angeboten. Der Politiker Jörg Haider lädt ihn zu einem Vortrag ein. Die Staatsbürgerschaft bekommt er nicht. Mit vielen Prozessen erkämpft sich Amir Al-Amin sein Recht vor Gericht und bekommt zwanzig Jahre nach seiner Einreise die Staatsbürgerschaft verliehen. In oft witzigen Geschichten, die das wahre Leben geschrieben hat, berichtet Amir M. Al-Amin in diesem Sachbuch wie er lernte, ein guter Staatsbürger zu sein.

Meine bescheidene Meinung:
Ich hab mir ziemlich viel von diesem Buch versprochen – schon alleine, weil ich wissen wollte, wie man es lernt, ein guter Staatsbürger zu sein. Außerdem hat es mich interessiert, was einen österreichischen Verlag dazu bringt, die Geschichte eines sudanesischen Mannes, der in Österreich zum Imam wird, zu verlegen.

Der Leser erfährt einiges über Amir al-Amins Werdegang (wie und warum er nach Österreich kam) und er war mir gleich zu Anfang an sympathisch – es stellte sich recht rasch heraus, dass sein Bestreben tatsächlich war, ein guter Staatsbürger zu sein. Er arbeitet und ist sich wirklich für nichts zu schade (Daumen hoch!), scheitert jedoch meist an der nicht ganz so toleranten Einstellung der Österreicher – hier in Deutschland hab ich noch nie eine Stellen- oder Wohnungsanzeige gesehen, in der ausdrücklich um Inländer als Bewerber gebeten werden… Allgemein muss ich sagen, dass ich Österreich (leider mal wieder) nicht sonderlich ausländerfreundlich daherkommt, was jetzt nicht nur an dem Sympathen Jörg Haider und Parolen wie Daham statt Islam oder Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe liegt.

Al-Amin an sich macht mit seinen Ansichten – unter anderem religiöser Natur – einen recht gemäßigten und liberalen Eindruck, was mir sehr gut gefallen hat. So hat er beispielsweise offen kritisiert, dass manche Praktiken und Verhaltensweisen auf Traditionen und Sitten, jedoch nicht auf Koran und Sunna zurückzuführen sind, was ich als wichtiges Statement eines Imams empfinde.

Ansonsten ist das Buch recht stark geprägt vom Amir Al-Amins Wunsch respektive Kampf, österreichischer Staatsbürger zu werden, was – wie in anderen Ländern wahrscheinlich auch – eine sehr beschwerliche Angelegenheit ist. Ich fand es recht interessant, welche Hürden er da zu nehmen hatte.

Ich weiß nicht, ob man es merkt, aber so wirklich viel hab ich zu dem Buch nicht zu sagen. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil es einfach nicht viel zu sagen gibt (passiert mir zugegebenermaßen recht selten 😉 ).

Amins Schilderung und Erzählung seines Lebens waren interessant, haben mich jetzt aber nicht vom Hocker gerissen – alles in allem eine recht kurzweilige Lektüre, bei der man dann auch im allerletzten Kapitel erfährt, was es mit der Parkgarage auf sich hat.

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(c) Galila Verlag


Ein Gedanke zu “[Rezension] Amir Al-Amin – Der Imam auf der Parkgarage: Wie ich lernte, ein guter Staatsbürger zu sein

  1. Ich hab das Buch nun im letzten Urlaub im September gelesen und ich muss zustimmen: Schnell gelesen, ganz nett gemacht. Aber ich habe mir wirklich mehr versprochen. Nun denn, eine nette Lektüre war es allemal.

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