[Rezension] Brigitte Beil – Ein Brief aus England

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
Nazi-Zeit, München, Brief, England, traurig

Das sagt der Verlag zum Buch:
Die erfolgreiche Münchner Geschäftsfrau Sigrid findet eines Abends beim Nachhausekommen ihre Tochter völlig verstört vor. Judith, Mitte zwanzig, stürzt ohne Erklärung aus der gemeinsamen Wohnung. Auf dem Küchentisch entdeckt Sigrid einen geöffneten Brief. Ein Amtsschreiben, in dem steht, dass eine Mrs Linda Hamstad, ehemals Macksiepen, in Manchester gestorben sei und die Verwandtschaft gebeten werde, wegen der Nachlassregelung mit den dortigen Behörden Kontakt aufzunehmen. Linda ist Sigrids Mutter, die kurz vor Kriegsende plötzlich verschwand. Von der Sigrid stets behauptet hatte, sie wäre längst tot. Der sorgsam gehütete Mythos, ihr Schutzwall gegen die unheilvolle Vergangenheit, droht brüchig zu werden. Ist es an der Zeit, ihre Tochter in die Familiengeheimnisse einzuweihen?

Meine bescheidene Meinung:
Als ich die Verlagsbeschreibung gelesen habe, war ich von dem Buch hellauf begeistert, weil ich mir doch eine tragische Familiengeschichte mit bösem Geheimnis während der NS-Zeit versprach. Ich greife schon mal vor und verrate: ich wurde leider ziemlich enttäuscht.

Aber erst mal der Reihe nach: Tragisch ist die Geschichte um Sigrid – aufgewachsen in Heimen im Nachkriegsdeutschland – allemal. Von Liebe und Zuneigung kann nicht wirklich die Rede sein, außer bei einer Person: Karola. Karola wurde Ende der 30er Jahre als Sigrids Kindermädchen eingestellt und hat diese bis zur gegenwärtigen Handlung im Buch (nicht zwingend 2013 – wohl eher Ende der 90er) nicht aus den Augen gelassen: sie spürte Sigrid über all die Jahre in Heimen und Pflegefamilien immer wieder auf und arbeitet nun als deren Haushaltshilfe und ist neben Judith – Sigrids Tochter –  für diese das letzte, was an Familie übrig ist.

Das Buch ist in 2 Teile aufgeteilt: Sigrids Leben als Frau im besten Alter, erfolgreich im Job und verwitwet, die mit ihrer Tochter in München lebt und die Geschichte vor und nach Sigrids Geburt im Nazi-Deutschland der 30er Jahre. Den letzteren fand ich um Längen interessanter, da man so einiges über die besseren und höheren Kreise der NSDAP-Elite (auf manches hätte ich auch verzichten können) und auch den Grund erfährt, wie Sigrid zu dem wurde, was sie heute ist.

Das Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist die Geschichte um Sigrids Mutter, deren Todesanzeige eines Tages Sigrid per Post erhält. Dies löst ein folgenschweres Drama bei Mutter und Tochter aus, denn Judith ging bis dato davon aus, dass ihre Großmutter bereits längere Zeit tot sei. Sigrid ist nun gezwungen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, was sich als nicht ganz so einfach herausstellt.

Der Leser geht zurück in Sigrids Kindheit, Jugend und frühes Erwachsenenleben, was überwiegend sehr traurig ist. So ist absolut verständlich, dass sie heute ein so disziplinierter, willensstarker und recht verschlossener Mensch ist. Trotzdem konnte ich für sie absolut keine Sympathien aufbauen, die Frau blieb mir einfach fremd und unzugänglich. Bei Judith – Sigrids Tochter – ging es mir ähnlich: zu kühl, zu distanziert, zu unsympathisch. Allgemein fand ich die Personen ziemlich seltsam gezeichnet. Nicht ungenau (Sigrids Innenleben wird sehr detailliert geschildert), aber eben mit viel Abstand, ohne den erkennbaren Willen, dass man Empathie für die Protagonisten aufbringt (so empfand ich das zumindest).

Schlussendlich muss ich sagen, dass ich die Aussage (sollte es eine gegeben haben) leider nicht verstanden habe und das Buch irgendwie an mir vorbei ging. Schade, ich hatte mir wirklich recht viel davon versprochen. Für mich leider nur 1 1/2 Bücherbäumchen für das Zurücktauchen in die NS-Zeit und den angenehmen Schreibstil.

Bibliothekhalbes

 

 

randomhouse.de

 


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