[Rezension] Ayad Akhtar – Himmelssucher

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
tolles Cover, Islam, Verrat, Teenager, Schuld & Sühne

Das sagt der Verlag über das Buch:
Milwaukee, Ende der siebziger Jahre: Hayat ist zehn Jahre alt, als Mina, die Jugendfreundin seiner Mutter, aus Pakistan nach Amerika kommt. Zwischen der schönen wie klugen Frau und dem verschlossenen Jungen entsteht eine innige Beziehung. Mina ist ihrem neuen Leben gegenüber aufgeschlossen, fühlt sich ihrer Kultur und ihrem Glauben aber weiter eng verbunden. So ist sie es auch, die Hayat mit dem Koran vertraut macht. Doch niemand, am allerwenigsten Mina selbst, ahnt, welch tiefgreifenden Einfluss dies auf den Teenager hat.

Als Mina sich in Nathan Wolfsohn verliebt, sieht Hayat seine Welt und alles, was ihm wichtig scheint, bedroht. Aus Eifersucht und Angst begeht er einen ungeheuerlichen Verrat. Zu spät begreift er, welche Katastrophe er damit über diejenigen heraufbeschwört, die er am meisten liebt.

Meine bescheidene Meinung:
Als ich den Klappentext von Himmelssucher las, wusste ich sofort DAS. IST. DEINS! Entsprechend musste das Buch auch nicht lange auf dem SuB verharren (ich bin einfach nur nicht mit der Rezension hinterhergekommen…).

Dieses Buch lässt sich nicht einfach so weglesen. Ich habe oft während des Lesens inne gehalten und nachgedacht, denn die Geschichte um Hayat und Mina lässt einen einfach nicht los. Aber erst mal von Anfang an.

Wir befinden uns im Amerika der 70-er Jahre. Von Islamhassern à la 11. September ist zwar (noch) nichts zu spüren, doch trotzdem gehört Hayat, 10 Jahre und Kind pakistanischer Eltern, irgendwie nicht so wirklich dazu. Man merkt ihm an, dass er zwischen den Stühlen sitzt. Diese Unzugehörigkeit, Unruhe und Tristesse scheinen ein Ende zu finden, als Mina und deren kleiner Sohn aus Pakistan zur Familie ziehen. Bei Mina handelt es sich um die beste Freundin von Hayats Mutter. Ihres Zeichens eine sehr gebildete und äußerst religiöse Frau, die immer nur von ihrer Familie in Pakistan unterjocht wurde; sich dann jedoch von ihrem Mann scheiden ließ (bzw. er von ihr), daher auch der Umzug in die USA.

Mina übt gleich zu Anfang eine ziemliche Faszination auf Hayat aus und auf Wunsch des Jungen lehrt sie ihn die Regeln des Islam. Gemeinsam studieren sie den Koran und Hayat lernt diesen nach und nach auswendig. Der Leser merkt recht schnell, dass der 10-jährige Junge hier seine Nische gefunden hat und freut sich mit dem kleinen Jungen. Gleichzeitig jedoch bemerkt man auch eine Veränderung: er wird zusehends intolerant und verbohrt Andersdenkenden und -gläubigen gegenüber, was ihn dann auch zu dem wirklich schrecklichen Verrat gegenüber Mina und damit fast seine ganze Familien ins Verderben führt. Ich war die ganze Zeit hin- und her gerissen, weil ich nicht wusste, ob ich mit dem armen Kerl Mitleid haben, oder ob ich ihn ob seiner Garstig- und Bösartigkeit, die er ab und an an den Tag legte, verachten sollte.

Und damit kämen wir auch schon zu den beiden Faktoren, die das Buch so besonders machen: es lebt von seiner tollen Atmosphäre und den wunderbaren Charakteren, die unheimlich lebensecht und greifbar sind. Ayad Akhtar legt ein sehr lebendiges Psychogramm seiner Protagonisten vor und zeigt zugleich sehr deutlich, wie unterschiedlich der Islam gelebt werden kann und tatsächlich auch wird und dass Muslime nicht immer gleich Muslime sind.

Da wäre Ayats Vater, der, mit dem Wissen der Mutter, fremd geht und auch dem Alkohol nicht abgeneigt ist – beides absolute Tabus im Islam. Dann wäre da Hayat selbst, der – wie schon oben erwähnt – sehr starr und verbissen seine Religion lebt. Und zu guter Letzt Mina, zwar sehr religiös aber auf eine offene Weise gegenüber anderen Religionen. Sie lebt den Islam auf eine wie ich finde sehr schöne und friedliche spirituelle Weise und fühlt sich dem Sufismus zugehörig.

Entsprechend gut passt der Originaltitel American Derwish (danke, Wikipedia 🙂 ):

Der Ausdruck Derwisch bezeichnet vor allem in den europäischen Sprachen einen Sufi, einen Angehörigen einer muslimischen asketisch religiösen Ordensgemeinschaft (tariqa), die im Allgemeinen für ihre Bescheidenheit und Disziplin bekannt ist.

Aber auch der deutsche Titel ist recht gut gewählt, da Ayat das ganze Buch hindurch auf der Suche ist und ich ihm trotz seiner manchmal üblen Art gewünscht habe, dass er endlich finden möge, was er sucht.

Zu guter letzt seien das wunder-wunderschöne Cover und die in der Broschur innen liegenden Illustrationen erwähnt. Ein wahrhaft schönes Buch, das man auch gerne einfach nur in den Händen hält.

Für mich ein Glücksgriff auf ganzer Linie mit unbedingter Kauf-, Lese- und Mitfühlempfehlung!

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Himmelssucher


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