[Event] [Lesungsbericht] Andrea Sawatzki – Ein allzu braves Mädchen

ASAm Samstag Abend um 19 Uhr war es endlich so weit: Andrea Sawatzki stellte ihr Romandebüt Ein allzu braves Mädchen dem Münchner Publikum vor. Obwohl wir gerade mal 10 Minuten vor Veranstaltungbeginn in der BMW Welt ankamen, haben wir es doch tatsächlich in die erste Reihe im linken Block geschafft. Wie auf den Bildern zu sehen ist, war die Glücksfee, die bei den tollen Sitzplätzen schon ihre Finger im Spiel hatte, auch bei der Platzwahl Andrea Sawatzkis Hold und ich hatte perfekte Sicht :).

Der Abend begann erst mal damit, dass sich gefühlte tausend Fotografen und Kameramänner in einem kleinen Eck vor der Bühne versammelten und ein wahrer Regen von Blitzlichtern auf die Personen nieder prasselte. Da Frau Sawatzkis Haarfarbe jetzt nicht unbedingt die unauffälligste ist, konnten wir sie und ihren Mann Christian Berkel kurze Zeit später hell erleuchtet ausmachen. Nach dem kurzen Intermezzo verschwand die Autorin wieder hinter der Bühne und das Publikum wurde mit diversen (Gott sei Dank nicht allzu langen!) Reden beglückt.

Irgendwann konnte es dann endlich losgehen und mein „Lieblings“-Radiomoderator Throsten Otto (ja, er war genauso schlecht und unfähig, wie ich es befürchtet hatte) und eine herrlich glitzer- und glamournde Andrea Sawatzki betreten die Bühne. Für den weiteren Verlauf des Berichts muss ich sagen, dass ich Thorsten Otto so wenig mag, wie ich von Andrea Sawatzki als Schauspielerin und auch als Hörbuchsprecherin begeistert bin.4

Herr Otto begann also sein lahmes Interview (das leider auch im Verlauf nicht besser wurde, was mich wirklich geärgert hat!) und Andrea Sawatzki stand tapfer Rede und Antwort, von sich und der Entstehungsgeschichte zum Buch zu erzählen und schon alleine das entschädigte mich vollends für ihren unfähigen Counterpart. Andrea Sawatzki legt zwar großen Wert darauf zu betonen, dass das Buch zwar nicht autobiographisch ist (worüber ich, nun, nachdem ich es ausgelesen habe) auch ziemlich erleichtert bin), aber dass es natürlich durchaus Parallelen gibt.

So ist die Protagonistin Manuela Scriba nicht nur rothaarig, sondern pflegt- ebenso wie damals Andrea Sawatzki – ihren an Alzheimer erkrankten Vater. Als diese davon erzählte, wurde es mir ehrlich gesagt ein bisschen anders, da das doch ein sehr intimer Teil ihrer Vergangenheit war und man im Publikum auch merkte, dass ihr das Erzählen nicht wirklich leicht fiel. Andrea Sawatzki wirkte sehr offen und verletzlich, so dass ich sogar ein bisschen versöhnt war mit meinem Hass-Moderator, als dieser sagte, dass er jetzt nicht allzu tief bohren und den Hobby-Psychologen spielen wolle – na immerhin etwas.

12Danach folgte das erste kleine Highlight: Andrea Sawatzki las ein paar Passagen aus dem Buch vor. Wie oben schon geschrieben, mag ich ihre Stimme sehr gerne und halte sie für eine der besten Hörbuchsprecherinnen in Deutschland. Trotzdem hatte ich ein bisschen Angst, dass sie vielleicht Kapitel vorliest, die zu viel verraten, was dann – meiner Meinung nach – auch zum Ende hin passiert ist. Jetzt, wo ich das Buch ausgelesen habe, finde ich es allerdings nicht mehr allzu schlimm, da die Handlung an sich eh etwas – sagen wir mal konfus ist…

Neben mehreren Vorlese-Sequenzen erfuhr das Publikum im Laufe des Abends dann auch einiges über die Entstehungsgeschichte des Buches. Wenn ich mir die Widmung in meinem Buch so anschaue, kann ich sehr gut verstehen, dass der Lektor Frau Sawatzki bat, in Sachen Skript vom Handgeschriebenen oder auf Band gesprochenen auf PC umzusteigen (laut eigener Aussage ist sie ein aboluter PC-Depp, was ich äußerst sympathisch fand). Nachdem dies geschafft war, galt es noch, einen passenden Titel zu finden. Die Autorin hatte etwas in Richtung Augen im Sinn wie beispielsweise Das Blau Deiner Augen, Kalte Augen oder auch  Eisblaue Augen. Die Vorschläge wurden vom Lektorat durch die Bank weg abgeschmettert, teilweise, weil es die Titel schon gab. Ich persönlich bin ganz froh darüber, da ich das mit den Augen ziemlich ausgelutscht finde und der Titel mMn sehr gut passt.1

Mindestens genauso schwierig wie das Finden eines geeigneten Titels stellte sich dann auch das Entscheiden für eine finale Fassung heraus. Frau Sawatzki hatte von eben diesen ganze 16 (!!!) anzubieten, wie sie erzählte. So viel Kreativität und Fantasie fand ich dann doch ziemlich beeindruckt. Nach Auslesen des Buches hätte ich ein anderes Ende (oder überhaupt eins!) wahrscheinlich noch ein bisschen beeindruckender gefunden – dazu aber mehr in meiner Rezension.

Was ich den ganzen Abend über sehr schade fand, war, dass weder der Moderator noch Andrea Sawatzki sonderlich gut auf das Gespräch vorbereitet gewesen zu sein schienen. Bei Herrn Otto hat mich das nicht sonderlich überrascht, aber von Frau Sawatzki hätte ich da schon ein bisschen mehr Vorbereitung erwartet. Natürlich soll nicht alles komplett abgesprochen klingen, aber das ständige Herumgedruckse und Hmmm und WasAntworteIchJetztBloß? fand ich mit der Zeit dann doch etwas müßig. Nun gut.

Alles in allem hat mir der Abend gut gefallen. Frau Sawatzki war so sympathisch und locker wie ich sie mir  vorgestellt hatte und auch die Vorstellung des Buches hat viel Interesse geweckt. Schade, dass das Buch diese Begeisterung nicht so ganz fortführen konnte.

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