[Gastrezension] Petra Oelker – Ein Garten mit Elbblick

Heute gibt es hier auf dem Blog eine kleine Premiere, denn die heutige Rezension stammt nicht von mir, sondern von meiner lieben Kollegin Eva, die sich eines meiner Bücher ausgeliehen hat. Da ich weiß, dass sie sehr gerne liest und sich auch recht auszudrücken weiß, habe ich ihr das Buch nur gg. Gastrezension geliehen und es hat geklappt!

5 Dinge, die Eva spontan zum Buch einfallen:
Hamburg, Pferdebahn, Erbe, Malerei, Messerwerfer

Evas Meinung zum Buch:
Hamburg 1895: Henrietta Winfield kehrt aus Bristol in ihre alte Heimat zurück, um ihren Vater zu beerdigen und ihr Erbe anzutreten. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass kaum etwas von dem Vermögen ihrer Familie übriggeblieben ist. Henrietta glaubt sich durch ihren englischen Ehemann gut versorgt – bis dieser tot in der Hansestadt aufgefunden wird und Henrietta vor einem Rätsel steht: Was wollte ihr Mann in Hamburg? War er in dunkle Geschäfte verstrickt? Und welche Rolle spielte ihr Vater dabei? Es beginnt die Jagd nach Thomas Winfields Mörder und Henriettas Suche nach der Wahrheit.

Wie auch schon in ihrer Reihe um die Komödiantin Rosina nimmt Petra Oelker den Leser in ihrem neuen Roman mit neuen Protagonisten von Anfang an mit auf eine spannende Reise ins historische Hamburg. Dort wird Henrietta von ihren Verwandten, der Familie Grotmann umsorgt, die zur feinen hanseatischen Oberschicht gehört. Zwischen Jungfernstieg, Alsterdampfern und Pferdebahnen auf der einen und dunklen Gassen und Hafenkneipen mit zwielichtigen Gestalten auf der anderen Seite gelingt es der Autorin eine authentische und erzählerisch dichte Atmosphäre zu schaffen. Schnell glaubt man das Hamburg der damaligen Zeit mit seinen unterschiedlichen Facetten vor sich zu sehen.

Die Familie Grotmann ist ein äußerst interessanter Protagonistenkreis. Jedes einzelne Familienmitglied wird mit seinen Eigenarten und Ansichten dargestellt und erwacht zum Leben. Dabei entwickelt man als Leser schnell Vorlieben. Schade ist, dass ausgerechnet die Person der Henrietta Winfield, die als Hauptfigur viel Potenzial hätte, leider etwas blass bleibt. Teils leichtgläubiges und unselbstständiges Mädchen, teils entschlossen, sich ihrem Schicksal nicht zu fügen, bleibt sie undurchschaubar und kühl. Es fällt schwer sie einzuschätzen. Sympathieträger des Romans ist dagegen der um Erfolg bemühte Kommissar Paul Eckhoff, den man als Leser schnell ins Herz schließt. In seiner Figur werden auch die gesellschaftlichen und sozialen Umbrüche des ausgehenden 19. Jahrhunderts und damit einhergehende persönliche Konflikte sehr schön verdeutlicht. Um sein berufliches Vorankommen und das Wohlergehen seiner jungen Familie besorgt, versucht er verzweifelt, Licht in das Rätsel zu bringen. Der Fall erweist sich jedoch als sehr verzwickt. Eine fast vergessene Verbindung zu Henriettas Familie bringt ihn dabei auch emotional in Bedrängnis und lässt den Leser mit ihm fühlen.

„Ein Garten mit Elbblick“ liest sich sehr flüssig und bietet die von Petra Oelker gewohnte gute Unterhaltung, die einen mitzieht in eine andere Zeit. Um wirklich zu fesseln, fehlt es dem Krimi insgesamt jedoch an dramatischen Höhepunkten. Das Buch ist mehr ein historischer Roman und ein Gesellschaftsportrait als ein Krimi. Als solches habe ich es sehr gerne gelesen und kann es nur weiterempfehlen.

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Quelle: ebook.de

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