[Rezension] Trend D. Reedy – Inshallah, Worte im Sand

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
Gott kommt nach Afghanistan doch nicht nur zum Weinen, Krieg, Taliban, Hasenscharte, jaja, die guten Amerikaner 🙂

Zum Inhalt:
Die weißgoldenen Strahlen der Sonne brachen durch die Wolken. Hoffentlich war dies eine Botschaft Allahs. Ein Zeichen dafür, dass alles besser wurde. Dass das Leben etwas Wahres, Bleibendes und Sinnvolles bereithielt. Zulaikha hofft. Auf Frieden, jetzt, wo die Taliban fort sind. Darauf, nicht mehr das Eselgesicht mit der Hasenscharte zu sein. Einen Mann zu finden. Lesen und Schreiben zu lernen. Dann kommen die Amerikaner. Sie versprechen, Zulaikhas Mund zu richten. Zugleich trifft sie Meena, die anbietet, sie zu unterrichten. Darf Zulaikha hoffen, dass ihre Träume wahr werden?

Meine bescheidene Meinung:
Ich habe ja schon das eine oder andere Buch über Afghanistan gelesen. Die meisten Alle sind traurig, viele von ihnen lassen dich als Leser recht deprimiert und sehr nachdenklich zurück. Umso mehr freut es mich, dass bei Inshallah, Worte im Sand nur das Zweite eintrat – das dafür eine ganze Zeit lang. Aber fangen wir doch mal am Anfang an: Zuleika ist ein Mädel, das einem wirklich leid tun kann. Die Mutter ist tot und sie lebt mit ihrer Schwester, ihrem Vater und dessen Zweitfrau in einem kleinen Haus. Wie wohl jedes Mädchen in Afghanistan muss sie recht viel im Haushalt mithelfen, was ihrem freundlichen und lieben Wesen jedoch nicht viel anhaben kann. Vielmehr leidet sie unter den Hänseleien eines bestimmten Jungen. Zuleikha hat seit Geburt eine Hasenscharte, lebt damit recht gut; nur eben nicht mit den Hänseleien und Demütigungen, die damit einhergehen.

Hier überraschte mich die äußerst authentische Darstellung Zuleikhas. Wie eine gute Muslima es nun mal tut, nimmt sie ihr Schicksal ergeben an und legt ebendieses weiterhin in Gottes Hände. Das kann man verstehen oder auch nicht, aber so ist es nun mal und es hat Zuleikha für mich noch echter und greifbarer gemacht. Allgemein muss ich sagen, dass ich mir bei einem amerikanischen Autoren die Figuren etwas anders vorgestellt hätte, aber entweder hatte Herr Reedy einen guten Berater oder einfach sehr viel Einfühlungsvermögen und recht viel Hintergrundwissen über die Afghanen gesammelt: so kamen die Amerikaner nicht heroisch und wie die Retter der Armen und Hinterwäldlern rüber, sondern auch recht einfühlsam, vorsichtig und bestrebt, ja alles richtig zu machen. Die Afghanen wurden als das dargestellt, was sie sicher auch sind (soweit mein Wissen reicht): ein stolzes Volk, das sehr viel Leid und Elend hat ertragen müssen; das sich allerdings doch irgendwie immer wieder aufrappelt und unabhängig sein will. Ich empfand Zuleikhas Familie zutiefst menschlich und habe mich in frohen Situationen mit ihnen gefreut und bei traurigen Begebenheiten mit ihnen getrauert, als wären sie eine Familie, die ich persönlich kenne.

Dass das Thema Bildung auch eine Rolle spielt, fand ich super – ist doch die weit verbreitete Meinung, dass Frauen im Islam weder lesen noch schreiben können müssen, weil sie eh den ganzen Tag in der Küche und mit den Kindern verbringen. Reedy zeigt, dass auch muslimische Frauen dahingehend Bedürfnisse haben, die befriedigt werden wollen und dass dies auch möglich ist.

Das Buch hinterlässt so einiges an Gedanken. Hauptsächlich positiver. Es gibt Hoffnung. Und nein, nicht alles, was die Amerikaner machen dient dazu, die Afghanen zu amerikanisieren. Hoffen wir, dass Afghanistan eines schönen Tages in Frieden leben kann und rechtschaffene, ehrbare Frauen auch ohne Gitter durch die Gegend laufen dürfen ohne mit Repressalien rechnen zu müssen. Hoffnung hinterlässt dieses Buch, ja. Eigentlich ganz gut, oder? Denn Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.


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