[Rezension] Karim El-Gawhary – Tagebuch der arabischen Revolution

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
Arabische Revolution, Tunesien, endlich-hat-der-Scheiß-ein-Ende!, Diktatur, wird-jetzt-alles-besser?

Zum Inhalt:

Quelle: theatlanticwire.com
Quelle: theatlanticwire.com

Monatelang hat Karim El-Gawhary fast nonstop vom Aufstand in der arabischen Welt berichtet: in Facebook-Postings, Twitter-Tweets, in seinem Blog, in Zeitungsreportagen und natürlich im TV. In dieser Zeit ist er zum Gesicht der arabischen Revolution im ORF geworden. Sein Buch ist ein Zeitdokument der besonderen Art, der Leser wird noch einmal hautnah auf eine Reise mitgenommen: zu den Vorboten der Revolution, dem ersten Aufflammen in Tunesien, den Tagen des Zorns auf dem Tahrir-Platz und dem Kampf der libyschen Rebellen um Freiheit und Würde. Das Buch schließt mit den Monaten nach der Revolution in Ägypten, wo sich entscheiden wird, ob der demokratische Neubeginn in der arabischen Welt Bestand haben kann.

Meine bescheidene Meinung:
Auf dieses Buch habe ich mich ja bereits hier schon gefreut und auch recht schnell nach der Zusendung gelesen. Ich war selbst erstaunt, wie rasch ich wieder hier war, denn alles war plötzlich wieder präsent: die ersten Demos, meine Sorgen um Freunde und Familie und die plötzliche Nachricht, dass Ben Ali samt Sippschaft geflohen war. Dass dieses anfängliche Ereignis solche Kreise ziehen würde und Gaddafi am Ende ein toter Mann wäre, hätte zu diesem Zeitpunkt sicher noch niemand zu hoffen glauben gewagt. Wer – ebenso wie ich – Karim El-Gawhary noch nicht kennt, kann sich bei Twitter, Facebook und auf seinem Blog ein Bild von ihm machen und damit wären wir auch beim Aufbau und Hauptinhalt des Buches. Zusammengefasst erhält der Leser hier nach Ländern (Tunesien, Ägypten und Libyen) und chronologisch sortiert eine Übersicht über El-Gawharys Publikationen; seien es Tweets, Facebook Statusmeldungen, Blog Posts oder (Online-) Artikel in der taz, Die Presse oder Fernsehvorbereitungen für das ORF.

Quelle: (Reuters / GORAN TOMASEVIC)
Quelle: (Reuters / GORAN TOMASEVIC)

Das Tolle an den neuen Medien ist hierbei, dass der Leser mehr oder weniger live bei der Berichterstattung dabei ist. Mit mehr oder weniger meine ich beispielsweise die Tatsache, dass in Tunesien beispielsweise eine Zeit lang Facebook gesperrt war. So ist es eben nicht allzu einfach, die Leute up to date zu halten.

Das Tagebuch der arabischen Revolution ist ein authentisches, sympathisch unaufgeregtes aber nicht unemotionales Zeugnis der Ereignisse, die sich im Frühjahr in Nordafrika abspielten. Der Unterschied und in meinen Augen unschätzbarer Vorteil zu anderen Korrespondenten und Reportern, die für die westlichen Medien berichten, dürfte sein, dass Karim El-Gawhary selbst Araber ist, die Sprache spricht und die Mentalität und Gepflogenheiten in den Ländern, aus denen er berichtet, kennt. Auch dürfte das Verhältnis zu den Einheimischen ein anderes sein, da doch eher Vertrauen zu einem wild el bled(Einer von uns) gefasst wird.

Wer weder El-Gawhary noch seine journalistische Arbeit vorher kannte, erhält einen interessanten Bericht über die Yasmin Revolution und einen guten Blick hinter die Kulissen, den man in der Form nicht oft in unseren Nachrichten erhält. Leser, die allerdings schon mit den Publikationen des Deutsch-Ägypters vertraut sind, erfahren hier jedoch nicht viel neues, was allerdings im Hinblick darauf, dass es sich bei den Revolutionen um bedeutende historische Ereignisse handelt, zu verschmerzen sein dürfte, da man auch noch in 20 Jahren durch Aufschlagen des Buches schnell wieder im Frühjahr 2011 sein kann.
 
 

pic.twitter.com/AuiI9fm


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