[Mein Lieblingsbuch ist…] Wiebke Lorenz oder „Die Frau, die sich nicht entscheiden wollte“ stellt ihre Lieblingsbücher vor

© Iris Terzka
© Iris Terzka

Eigentlich brauche ich sie gar nicht mehr vorzustellen, aber da es da draußen ja schändlicherweise immer noch Menschen zu geben scheint, die Wiebke Lorenz nicht kennen, möchte ich diese Lücke jetzt schnell schließen. Doch wo anfangen? Die gebürtige Rheinländerin, die jetzt jedoch in Hamburg lebt, ist nicht nur zusammen mit ihrer Schwester Frauke Scheunemann das äußerst erfolgreiche Autorinnen-Duo Anne Hertz, sondern schreibt auch alleine Romane, wie z. B. Allerliebste Schwester und Er sagt & Sie sagt: Erkenntnisse über Männer, Frauen und das Leben an sich. Darüber hinaus arbeitet sie noch als freie Journalistin für diverse Zeitungen und Zeitschriften und schreibt ab und an das ein oder andere Drehbuch. Im Frühjahr erscheint Junger Mann zum Mitreisen gesucht, worauf ich schon sehr gespannt bin! Ich muss sie unbedingt mal fragen, wieviele Stunden ihr Tag denn hat… Wenn Ihr noch mehr über Wiebke erfahren wollt, dann schaut mal hier, klickt mal da oder linst mal hier rein.

Zeit hat sie sich auch für Mein Lieblingsbuch ist… genommen, wofür ich ihr auch an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte, vor allem, da für jeden was dabei sein dürfte, da es diesen Monat AUSNAHMSWEISE einmal heißt: Meine Lieblingsbücher sind… und damit übergebe ich Wiebke das Wort:

Mein Lieblingsbuch? Gibt es nicht! Genau so wenig wie meinen Lieblingssong oder -film, denn dafür sind es schlicht – zu viele. Und nachdem ich die freundliche Einladung erhalten habe, im Dezember etwas für Cleos Bücherblog zu schreiben, werde ich einfach ganz dreist die Gelegenheit nutzen, mich hier hemmungslos auszumären. Schließlich steht Weihnachten vor der Tür, da wird der ein oder andere sicher noch ein Geschenk brauchen (Will heißen: Los, Leute, stürmt die Buchläden!!!).

Für alle, die es schräg mögen: John Niven „Kill Your Friends“ (Heyne)Böse, böser, John Niven. Der gebürtige Schotte schreibt Romane, die zum Kreischen sind – und bei denen einem gleichzeitig das Lachen im Hals stecken bleibt. „Kill Your Friends“ erzählt die Geschichte von A&R-Manager Steven, der sich mehr recht als schlecht in seinem Job bei einer Plattenfirma behauptet. Vom täglichen Konkurrenzkampf gebeutelt, geschwächt von Alkohol, Drogen und Nutten (Verzeihung, Prostituierten), resigniert, zynisch und bösartig, so lernen wir den Protagonisten dieses Romans kennen. Und obwohl Steven im wahrsten Sinne des Wortes ein widerlicher Kerl ist, fängt man irgendwie an, ihn zu mögen. Und nimmt es ihm auch nicht weiter krumm, als er irgendwann – mehr oder weniger aus Versehen – beginnt, seine lästigen Kollegen … tja, zu ermorden, wie der Titel schon erahnen lässt. Wer schwarzen Humor mag, wir dieses Buch LIEBEN, denn es ist schwärzer als die Nacht. Und dabei gleichzeitig urkomisch. Das trifft übrigens auch auf John Nivens andere Romane wie „Coma“ oder „Gott bewahre“ zu.

Für alle, die gern seufzen & schwelgen: Peter Prange „Himmelsdiebe“ (Pendo)
Ganz ehrlich: Ich bin eine bekennende Hasserin historischer Romane. Mit seinem Buch „Himmelsdiebe“ schlägt Peter Prange allerdings eine neue Seite seines schriftstellerischen Schaffens auf und wagt sich an einen „modernen“ Stoff. Und das auf absolut faszinierende Art und Weise, denn die Liebesgeschichte um die Maler Harry Winter und Laura Paddington ist viel mehr als nur eine Liebesgeschichte – es geht um Kunst, um Identitätsfindung, um Wahn und Realität, um die Frage, welche Wirklichkeit wir leben und gleichzeitig erschaffen können – und das alles erzählt Peter Prange vor dem Hintergrund des wohl finstersten Kapitels unserer Historie, dem Nationalsozialismus. Irgendwie fehlen mir die Worte, um diesen eigenartigen und mitreißenden Roman genauer zu beschreiben, denn er ist in der Tat – einzig-artig. Man muss ihn selbst lesen, die Magie dieser „Jahrhundertliebe“ (angelehnt an die amour fou zwischen Max Ernst und Leonora Carrington) lässt sich nur schwer in einer Rezension transportieren. Man taucht in die Geschichte regelrecht ab und kommt erst beim letzten Satz wieder zurück an die Oberfläche. Sooooo schön, Hammer! Kerzen anzünden, Badewasser einlassen (aber Vorsicht, ist ein Hardcover!), Musik einschalten und UNBEDINGT lesen! Vielleicht gebe ich ja jetzt auch mal einem historischen Roman eine Chance, gerade ist Peter Pranges „Die Gottessucherin“ (Kaur) als Taschenbuch erschienen.

Für alle, die es bittersüß & lustig mögen: Conni Lubek „Der Beste zum Schluss“ (Ullstein)
Sie haben „Anleitung zum Entlieben“ (Ullstein) und „Entlieben für Fortgeschrittene“ (Ullstein) noch nicht gelesen? Dann bitte unbedingt SOFORT nachholen – und sich dann mit Genuss in den dritten und letzten Teil „Der Beste zum Schluss“ (Ullstein) stürzen! Die Romane über das verkorkste Liebesleben der Hamburger Werbetexterin Lchen sind auf der einen Seite so unglaublich witzig, dass von der Lektüre in öffentlichen Verkehrsmitteln nur dringend abgeraten werden kann – und auf der anderen Seite so herzergreifend, so lebensweise & klug, so brillant geschrieben, so mitreißend, so, aaaaaaach, einfach so, dass ich vor Conni Lubek in Anbetung auf die Knie sinke! Mehr als einmal kam es vor, dass ich mir Sätze oder ganze Passagen rausschreiben musste, weil sie einfach so GROSS-ARTIG formuliert sind. Kostprobe gefällig? „Auf jeden Topf passt bekanntlich ein Deckel. Kommen wir nun zu einem besonderen Fall: Töpfe mit Angst vor geschlossenen Räumen.“ Muss ich noch mehr schreiben? Ich denke, nein.

Für Freunde spannender Jugendromane: Ursula Poznanski „Erebos“, (Loewe)
Muss man dieses Buch noch empfehlen? Schließlich hat es gerade den deutschen Jugendbuchpreis gewonnen! Ich finde: Ja, muss man, denn der Preis ist absolut verdient. Eigentlich dachte ich, dieser Roman würde überhaupt nicht meinen Geschmack treffen, denn er spielt in großen Teilen in einem fantastischen Computerspiel. Und auf den ersten Seiten fand ich auch noch: Neee, das ist nicht meins. Aber je mehr Nick, die Hauptfigur des Romans, von dem Spiel „Erebos“ gefangen genommen wird, desto mehr konnte auch ich mich nicht mehr dem Sog dieses Buches entziehen. Vor allem, als Nick plötzlich von einer der Spielfiguren Aufgaben erteilt bekommt, die er nicht am Computer, sondern in der realen Welt erfüllen muss. Ursula Poznanski ist meiner Meinung nach ein kleines Meisterwerk gelungen, geschickt verwirrt sie den Leser mit verschiedenen Handlungssträngen, die sie am Ende zu einem großen Ganzen zu verknüpfen weiß. Spannend, spannend, spannend – und ein Garant für durchwachte Nächte!

Wer knuffige (Tier- &) Liebesgeschichten mag: Frauke Scheunemann „Katzenjammer“ (Page & Turner)
Okay, ich bin parteiisch, denn wie einige von Ihnen vielleicht wissen, ist Frauke Scheunemann meine große Schwester. Aber wenn ich hier schon schreiben darf, was ich will, mache ich das einfach auch. Nach „Dackelblick“ – die Geschichte aus Sicht des kleinen Dackelmischlings Herkules, der verzweifelt versucht, für sein Frauchen Carolin ein passendes Herrchen zu finden – ist „Katzenjammer“ die Fortsetzung der knuffig-niedlichen Geschichte. Und auch hier geht es natürlich wieder um Carolin und die Liebe, denn mittlerweile hat sie zwar ihren Mister Right, aber wie wir alle wissen, ist es mit dem Finden des Traummannes leider oft noch LANGE nicht getan … Mit von der Partie ist auch in diesem Roman der Kater Herr Beck, der Herkules mit Rat und Tat (und mit juristischen Kenntnissen) tapfer zur Seite steht. Ein Buch, bei dem man einfach nur „Wuff!“ machen möchte J (Frauke: Weihnachtsgeschenk für mich geht klar, oder …?)

Für absolute Thriller-Fans: Peter James „Stirb ewig“ (Fischer)
Als ich „Stirb ewig“ von Peter James gelesen habe, dachte ich schon nach zehn Seiten: WOW! Bereits im Entrée des Buches brennt der britische Autor ein derartiges Spannungsfeuerwerk ab, dass mir kurz die Luft weg blieb. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich es hier kurz erzähle: Michael feiert mit seinen vier besten Freunden Junggesellenabschied. Grund genug für seine Kumpels, ihm einen Streich zu spielen. Ausgerüstet mit Atemschlauch und einem Walkie-Talkie verbuddeln sie den Bräutigam kurzerhand in einem Sarg im Wald. Der Plan: Sie wollen noch zwei Stunden auf Kneipentour gehen und ihren (panischen) Freund danach wieder ausgraben. Doch leider verunglücken Michaels Freunde auf dem Weg in den nächsten Pub bei einem Autounfall tödlich – und Michael hört alles live über das Funkgerät mit. So liegt er da, in einem Sarg irgendwo in der Pampa, und niemand weiß, wo er ist, denn alle Zeugen sind tot … Uah, wie krank muss ein Hirn sein, das sich so einen Romaneinstieg ersinnt? Oder, anders gesagt: Wie brillant!? „Stirb ewig“ von Peter James ist ein absoluter Page-Turner und perfekt für kalte Winterabende, an denen in der Glotze eh nur die „Volkstümliche Hitparade“ läuft! 

Wer es literarisch mag: Tina Uebel „Last Exit Volksdorf“, (C.H. Beck)
Volksdorf – so heißt eine gutbürgerliche Gemeinde im Speckgürtel Hamburgs. Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten, heile Familien, wohlsituierte, bildungsorientierte Mittelschicht, ein Mikrokosmos, in dem die Welt noch in Ordnung ist. Aber was in Wahrheit hinter heruntergelassenen Rollläden vor sich geht, das erzählt die Hamburger Autorin Tina Uebel in ihrem Roman „Last Exit Volksdorf“. Sie gewährt Einblicke in eine Gesellschaft, die in Wahrheit von innen heraus krank und zerfressen ist: Eltern, die sich einen Dreck um ihre Kinder scheren und nur auf dem Selbstfindungstrip wandeln – „Wohlstandsverwahrlosung“ ist wohl das passende Wort -, ein homosexueller Junge, der mit seinem Outing nicht klar kommt und sich mit HIV infizieren lassen will, ein Mädchen, das „aus Spaß“ von ihren Mitschülern vergewaltigt wird, am Ende führt der Weg einige der Hauptfiguren direkt in den Drogenabsturz oder die Psychiatrie. Tina Uebel erzählt die Geschichte aus Sicht der verschiedenen Charaktere, lässt den Leser so zum Voyeur werden, der einen Blick hinter die blank geputzten Wohn- und Schlafzimmerfenster werfen darf. Ironisch, satirisch – und oft so beklemmend, dass einem beim Lesen ganz anders wird. Darüber hinaus benutzt die Autorin eine moderne und dennoch hoch literarische Sprache, Tina Uebel gehört meiner Meinung nach zur Top-Liga der deutschsprachigen jungen Schriftsteller. Ebenfalls empfehlenswert ist übrigens ihr Roman „Die Wahrheit über Frankie“ (C. H. Beck), der auf einer wahren Geschichte basiert. Unbedingt lesenswert!

So, und jetzt höre ich besser auf. Denn wenn es um meine Lieblingsbücher geht, könnte ich OHNE ENDE Empfehlungen geben – aber da käme ich selbst ja gar nicht mehr zum Lesen. Und wer sich nun absolut nicht  mehr zurückhalten kann, darf auch gern eines meiner Werke lesen 😉

Herzliche Grüße und gute Lektüre,
Wiebke Lorenz


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s