[Rezension] Gabriella Engelmann – Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Grün vor Neid: Ein mörderischer Schneewittchenroman

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
Märchen (na was für eine Überraschung!), Umzug (einer der wenigen Lichtblicke nach Wischen, Tragen, Ärgern), tolles Cover, Happy End, Nina Hagen (geht mir irgendwie als böse Stiefmutter net so ganz aus’m Kopf)

Zum Inhalt:
Bella würde alles dafür tun, die Schönste zu sein, doch ihre hübsche Stieftochter Sarah ist ihr dabei ein Dorn im Auge. Sarah muss um ihr Leben fürchten und sucht Unterschlupf in einer WG. Die sieben Jungs kümmern sich rührend um ihre neue Mitbewohnerin und Sarah wähnt sich in Sicherheit. Doch als sie einen Modelvertrag unterschreibt, setzt Bella alles daran, ihre Konkurrentin ein für alle mal zu beseitigen.

Meine bescheidene Meinung:
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bis vor einigen Wochen nicht wirklich viel über Gabriellas Bücher wusste. Kossi hatte sie mal auf einem Video vorgestellt und von den flauschigen Covern geschwärmt und die hatte ich mir gemerkt, aber das war’s dann aber auch. Bis Anne um die Ecke kam und mir von den Arena Büchern vorschwärmte. Da ich Märchen liebe und mir die Klappentexte und vor allem die Covergestaltung super gefallen haben, habe ich mir Teil 1 gleich mal über Amazon besorgt und wurde auch nicht enttäuscht.

Sarah Sandmann kann einem wirklich leid tun: der Typ, den sie toll findet, kommt nicht in die Pötte, ihr Vater zieht es vor, auf Geysiren rumzuhüpfen, was ihm auch nicht zu verdenken ist, denn – welch eine Überleitung! – da hätten wir auch noch Bella, Narziss in Persona und ihres Zeichens böse Stiefmutter, die Sarah leider so gar nicht leiden mag am liebsten tot sehen möchte und das darf gerne wörtlich genommen werden.

Bei Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Grün vor Neid: Ein mörderischer Schneewittchenroman handelt es sich, wie der (in diesem Fall endlich mal passende) Titel verrät, um ein Jugendbuch mit modernen Märchen-Elementen. Ich schreibe absichtlich nicht modernes Märchen, weil es das einfach nicht für mich war, sondern lediglich daran angelehnt, was die Handlung für mich auch nicht so vorhersehbar und damit viel spannender macht. Doch nicht nur Spannung, viel Humor, die nötige Liebe, wundervolle Freundschaften, übler Hass, galliger Neid und zerfressende Missgunst machen dieses Buch zu einem absoluten Pageturner, sondern auch die extrem ausgefeilten und absolut lebensechten Charaktere, bei denen ich das Gefühl hätte, ich würde sie allesamt kennen. Jeder der Zwerge beispielsweise war auf seine Art sehr sympathisch und speziell und ich fand es toll, dass jeder einen ganz eigenen Schlag Mensch verkörpert hat (so wie die „echten“ 7 Zwerge ja auch).

Sarah fand ich auch unheimlich sympathisch und mir hat es sehr gut gefallen, dass Gabriella sie nicht nur als nettes Mädel von nebenan gezeichnet, sondern – ohne den pädagogischen Zeigefinger oben zu halten – mit einigen moralischen Grundsätzen ausgestattet hat. So sträubt sich Sarah eisern dagegen, für eine Firma, die ihre Produkte mittels Tierversuche testet, zu arbeiten und das, obwohl sie das Geld mehr als gut gebrauchen könnte. Außerdem spricht sie sich deutlich gegen den Magerwahn, den so viele Models derzeit leben aus, indem sie den Lebenswandel ihrer Stiefmutter kritisiert. Das mögen nur kleine Dinge sein, die bei mir jedoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen und mir Sarah noch sympathischer machten als ohnehin schon.

Direkt zu Anfang des Buches hat sich Gabriella etwas besonderes einfallen lassen, das ich eigentlich nur von Shakespeare Werken oder Rafik Schamis Generationen Epos Die dunkle Seite der Liebe kenne: ein Personen-Verzeichnis. Ich muss zugeben, dass mich das anfangs etwas abgeschreckt hat, da ich bei Shakespeare beispielsweise immer wieder vorne nachschlagen musste, da ich die Namen nie richtig zuordnen konnte :(. Das war bei Schneewittchen aber glücklicherweise nicht der Fall, nur bei manchen Zwergen hab ich ab und mal wieder nach vorne gelugt ;). Was den Umfang der Personenbeschreibung betrifft, gehen die Meinungen auseinander: manche finden es zu ausführlich, ich fand sie als kleinen Teaser für die kommende Story super.

Bei den Personennamen hat sich die Autorin oft lustige Analogien einfallen lassen, die ich hier aber noch nicht verraten möchte; mal sehen, wie viele ihr selbst entdeckt. Eine Person hab‘ ich zumindest am WE im Fernsehen gesehen ;).

Ich lese solche Jugendkrimis, oder -Thriller immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, da ich mich zwar freue, endlich mal Bücher diesen Genres in jugendgerechter Form lesen zu können, bedaure es aber auch, dass es solche Autoren wie Gabriella Engelmann, Isabel Abedi oder Ursula Poznanski in meiner Jugend (die gerade mal ~ 15 Jahre her ist) leider nicht gab. Naja, lieber spät als nie…

Mit Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Grün vor Neid ist Gabriella Engelmann ein toller Spagat zwischen Krimi, Komödie, Märchen und Mädchenbuch gelungen. Ich habe mich im Karolinenviertel sehr wohl gefühlt und Sarah und Dschäimi-Timm nach kürzester Zeit in mein Herz geschlossen. Da ich mittlerweile Cinderella Undercover, den 3. Teil der Märchen-Reihe gelesen habe und den noch besser fand, bekommen Sarah, Bella und die 8 Zwerge „nur“ 4 Bücherbäumchen.


8 Gedanken zu “[Rezension] Gabriella Engelmann – Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Grün vor Neid: Ein mörderischer Schneewittchenroman

  1. Wieder eine sehr, sehr schöne Rezension von dir!! 😀
    Stimme dir in fast allen Punkten zu, nur ich fand Schneewitchen noch n Ticken besser… Aber meine Meinung dazu kennst du ja bereits! 😉

  2. Schöne, neugierig machende, Rezension. 😉

    Als ich das erste Mal den Klappentext las und von den „sieben WG-Bewohnern“ hörte, musste ich wirklich laut lachen. Zugegeben ein wenig abgeschreckt hat es mich auch. „Sieben Jungs in einer WG? Welches Mädel möchte denn da bitte einziehen?“ *lach* Aber ich werde Deinem Urteil vertrauen und behaupte mal, dass es letztendlich weniger lächerlich ist, als es zunächst klingt. 😉

    Kann man die Märchen-Bücher von Engelmann durcheinander lesen oder tauchen da zwischendurch die ein oder anderen Charaktere irgendwo nochmal auf? Ich les ja gern Bücher in der richtigen Reihenfolge. 🙂

  3. Dankeschön, Ihr 3! 🙂

    @Steffie
    ich war anfangs auch skeptisch, was die Umsetzung mit den 7 Zwergen angeht – gerade, wenn man an Ottos Filme denkt 😉 – die Umsetzung war aber wirklich klasse und dadurch, dass die Jungs zwar in einem Haus, aber auch dort unterteilt in verschiedenen Wohnungen wohnt, ist es nicht zu geballt 😀
    Man kann die Bücher unabhängig voneinander lesen und verpasst auch nichts, wenn man das Pferd von hinten aufzäumt. Schön gemacht finde ich, dass man „alte Bekannte“ wie bsp. Sarah Sandmann als Model dann wieder bei Cinderella sieht…

  4. @Cleo: Achja, selbes Haus aber verschiedene Wohnungen? Das klingt doch gleich viel umgänglicher! 😉 Und gut zu wissen, dass alte Charaktere doch mal wieder auftauchen. Denke, dann werde ich wohl mit „Schneewittchen“ beginnen. 😀

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