[Rezension] Ritta Jacobsson – Gefährliches Schweigen, Ein Svea Andersson Krimi

5 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
superspannend, ich-will-unbedingt-mal-nach-Schweden!, liest-sich-weg-wie-nix, wer-nennt-sein-Kind-Aphrodite?, bald-den-3. Teil-lesen!

Zum Inhalt:
Bildete Svea sich wirklich ein, er würde mit ihr reden? Er, der mit keinem einzigen Menschen auf der ganzen Welt reden konnte? Seine Angst war so wahnsinnig groß, das ließ sich nicht erklären. Dabei hatte niemand ihn geschlagen. Man hatte ihm bloß ein Foto gezeigt. Und das war widerlich gewesen. Er hatte die Augen zukneifen wollen, hätte am liebsten gekotzt und geheult, aber sie hatten ihn festgehalten und ihn gezwungen, es anzuschauen. Lange. Sie hatten gesagt, er solle sich überlegen, was passieren würde, wenn er nicht tat, was sie verlangten. Er hatte es sich überlegt. Und beschlossen zu tun, was sie verlangten.

An Sveas Schule scheinen viele Schüler vor etwas Angst zu haben. Als die schüchterne Natalie dann auch noch droht, vom Schul-Dach zu springen, fängt Svea an Fragen zu stellen. Sie trifft aber nur auf eine Mauer des Schweigens. Erst als Sveas Hund in Lebensgefahr gerät, begreift sie langsam, womit sie es zu tun hat. Und dann ist es schon fast zu spät…

Meine bescheidene Meinung:
Nachdem ich schon total begeistert vom 1. Teil um Svea Andersson war, habe ich kurz nach Erhalt des Nachfolgebandes ans Lesen gemacht und ich kann nur sagen: wie gut, dass ich erst so spät mit der Reihe begonnen habe, so ist die Wartezeit zwischen den einzelnen Bänden kürzer 😉 (Band 3 – Eiskalte Drohung ist vor Kurzem erschienen). Kurzum: ich war ein weiteres Mal total begeistert.

Dieses Mal nimmt sich Ritta Jacobsson dem brisanten Thema Mobbing in der Schule an und das auf eine – wie ich finde – sehr realistische und damit verbunden recht beängstigende Art und Weise. Um Svea herum geschehen seltsame Dinge. Eine Klassenkameradin droht, vom Dach der Schulturnhalle zu springen und ein anderer Mitschüler scheint von älteren Mitschülern bedroht zu werden. Svea, die indirekt in die Geschehnisse verwickelt wird, will den Dingen auf den Grund gehen und schreckt auch dann nicht zurück, als man ihr unmissverständlich klar macht, dass dies nicht gesund für sie ist. Aber Svea wäre nicht Svea, wenn sie eine Ungerechtigkeit einfach so auf sich beruhen lassen würde – entsprechend forscht sie weiter.

Was sich in dieser beschaulichen schwedischen Schule abspielt, hat mich richtiggehend sauer und wütend gemacht und so manch eine/n hätte ich mir als Erwachsene wirklich gerne unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgenommen. Da wird gemobbt, bedroht und auch zugelangt, dass man meint, man wäre in einem Gangster-Film. Das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass es sich hierbei ja nicht einfach um Fiktion handelt, sondern um traurige Realität, die sich tagtäglich an tausenden Schulen auf der ganzen Welt abspielt. Auch mir hat man in der Schule eine Zeitlang ziemlich zugesetzt (das passiert, wenn es manchen „Älteren“ etwas zu langweilig wird), und ich kann sagen, dass der psychische Druck ziemlich enorm ist. Entsprechend kann ich mir schon in etwa vorstellen, was die Schüler im Roman durchmachen mussten.

Ritta Jacobsson ist mit ihren Darstellungen nicht zimperlich, was allerdings in keinster Weise überspitzt wirkt, im Gegenteil. Mit Svea hat sie eine Protagonistin geschaffen, wie es in solch einer Situation wohl nur wenige auf den Schulen geben dürfte: sie mischt sich ein und lässt sich nicht abwimmeln. Obwohl sie Angst hat, steht sie für ihre Meinung ein und geht dabei auch keine Kompromisse ein. Ob sie damit als Vorbild gilt, sei dahingestellt, denn vernünftig sind ihre Handlungsweisen nicht immer (aber dann wäre sie wohl auch nicht die Person, die sie ist). Allerdings zeigt das Buch gute Ansätze, wie man mit solch einer Situation umgehen kann/sollte und hat in meinen Augen schon einen ziemlichen pädagogischen Mehrwert; ich könnte es mir auch ganz gut als Schullektüre einer 7. Klasse (ungefähr Sveas Alter) vorstellen.

Die lockere und doch authentisch wirkende Sprache des ersten Bandes blieb erhalten, so dass ich auch Gefährliches Schweigen nach kurzer Zeit ausgelesen hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass sich Band 1 noch steigern lässt, habe mich allerdings eines besseren belehren lassen und vergebe damit volle Punktzahl!


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