[dies & das] „Schneller lesen = besser lesen“ oder eher besser lassen?

Viele von Euch (wenn nicht sogar alle) hatten doch sicher schon mal den Wunsch, schneller lesen zu können. Also ich auf alle Fälle. Wenn ich sehe, wie viele Bücher manche von Euch im Monat lesen, wünsche ich mir auch, dass ich etwas fixer wäre. Doch dann überlege ich mir: entspricht schnell lesen auch genauem Lesen? Und sollte ich das Lesen nicht mehr genießen, in dem ich es langsam tue? Wie man sieht, hat auch diese Medaille zwei Seiten.

Klar kommt es immer drauf an, was man liest: ein Roman von Sophie Kinsella lässt sich sicher einfacher und schneller runter lesen als einer von Doris Lessing. Aber offensichtlich ist auch die Technik des Lesens nicht ganz unwichtig.

Eben gerade bin ich auf der FB Seite von rowohlt und die zum Buch passende Homepage Improved Reading Lesetraining: Besser und schneller lesen gestoßen und habe den Test zum „Wie schnell lesen Sie und wieviel bleibt danach noch hängen“ gemacht und bin zu folgendem Ergebnis gelangt:

Herzlichen Glückwunsch

Sie haben sich jetzt vielleicht zum ersten Mal mit konkreten Zahlen zu Ihrer Lesefähigkeit auseinandergesetzt. Hier Ihre persönlichen Ergebnisse:

Ihre Lesegeschwindigkeit: 248 WpM

Die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit im deutschsprachigen Raum liegt bei 200 Wörtern pro Minute. Mit Improved-Reading-Lesetechniken erreichen die Kursabsolventen im Durchschnitt 532 WpM. Auch deutlich höhere Geschwindigkeiten bis zu 1.200 WpM sind möglich.

Doch ohne gutes Verständnis nützt auch eine hohe Lesegeschwindigkeit nichts…

Ihr Verständnisgrad:80 %

Zum Vergleich: Das durchschnittliche Textverständnis im deutschsprachigen Raum liegt bei 55%. Nach einem Improved Reading Training erreichen die Teilnehmer im Durchschnitt 82% Textverständnis.

Effective Reading Rate:198 WpM

Die von Improved Reading zertifizierte Effective Reading Rate ist die entscheidende Messgröße für Leseeffizienz: Hier kombinieren wir Lesegeschwindigkeit und Textverständnis zu einem aussagekräftigen Wert, der im deutschsprachigen Raum bei durchschnittlich 110 WpM liegt.

Auch wenn Sie in unserem Test bereits gut abgeschnitten haben, können Sie sich mit den Lesetechniken aus unserem Training deutlich verbessern! Durchschnittlich können wir die Effective Reading Rate mit unserem Training mehr als verdoppeln. Dabei ist ein gutes Textverständnis bei hoher Lesegeschwindigkeit für uns immer oberstes Gebot!

Blöd fand ich natürlich, dass man mir danach gleich ein Seminar andrehen wollte, aber es führt mich mal mehr zu der Frage: habt Ihr Erfahrungen mit diesen Schnell-Lese-Büchern? Haben Sie Euch was gebracht und lest Ihr seitdem nicht nur schneller, sondern auch effektiver? Oder interessiert Euch ein schnelleres Lesen nicht im Geringsten und Euch ist der Genuss eines jeden Wortes viel wichtiger? Ich bin gespannt auf Eure Antworten!

 


11 Gedanken zu “[dies & das] „Schneller lesen = besser lesen“ oder eher besser lassen?

  1. Manchmal wünsche ich mir zwar auch, ich könnte schneller lesen, aber andererseits würde ich das Lesen dann einfach nicht mehr genießen.
    Ich bin zb totaler Fan von Reed aus Criminal Minds. Der überfliegt die Seiten ja geradezu, aber irgendwie wärs doch total langweilig, wenn ich so ein 400 Seiten Buch schon nach 2 Stunden wieder fertig hätte.

    Ich habs mal probiert mit dem schneller Lesen (vor allem bei Büchern die mir nicht soo zusagen und die ich endlich fertig haben möchte, mach ich das gerne mal), aber hab erst gestern wieder festgestellt, dass ich teilweise auch mal was wichtiges verpasse ^^

  2. Oh wow, wie spannend! Habe den Test auch mal gemacht und mein Ergebnis besagt:

    Ihre Lesegeschwindigkeit: 257 WpM
    Ihr Verständnisgrad: 90 %
    Effective Reading Rate: 231 WpM

    Die 90% überraschen mich ehrlich gesagt ziemlich, weil oftmals das Gefühl habe, dass mir beim Lesen die Gedanken abdriften und ich dann die Hälfte des Inhalts nicht mehr mitbekomme. Anscheinend klappt das wohl aber noch ganz gut. ^^

    Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass es hier wesentliche Unterschiede zwischen solch einem Artikel und Romanen gibt. Bei einen Artikel, der einen mit Fakten zuknallt, ist es natürlich schon schön, wenn man schnell lesen kann und zudem noch viel behält. Sowas spart Zeit und Geld. 🙂 Aber bei uns Leseratten geht es ja um das Lesen an sich, und da sollte man sich m.E. schon seine Zeit für nehmen, egal wie lange es dauert. Klar wünsche ich mir, dass ich regelmäßig 10 Bücher im Monat schaffen würde (wg. SUB-Abbau und so, gelle?), aber das geht bei mir nun mal zeitlich einfach nicht. Und durch die Geschehnisse jagen, will ich mich auch nicht. Ich lese so schnell/langsam wie es braucht um das meiste an Inhalt aufzunehmen. Ansonsten würde man wohl viele Details einfach überlesen und das wäre doch schließlich schade. 🙂

    Lesen ist für mich wirklich ein Genuss und daher nehme ich mir die Zeit, die ich brauche. Effektiver lesen lernen wäre bei Romanen wirklich uninteressant für mich. Für Fachliteratur mag das aber etwas anderes sein.

    Schöner Beitrag! 🙂

  3. Vor ein paar Monaten hab ich mich mal mit dem Buch von Wolfgang Schmitz beschäftigt, habe aber irgendwann das Interesse verloren. Ich wollte meine Lesegeschwindigkeit erhöhen, um schneller mit uninteressanter, aber nötiger Fachliteratur durch zu sein. Aber das ist ein langwieriger Prozess, der viel Eigendisziplin fordert (die ich offensichtlich nicht habe 😀 ). Ein paar Aspekte sind aber dennoch hängen geblieben. So hangel ich mich viel weniger von Wort zu Wort, sondern nehme mittlerweile nur noch ganze Satzteile mit einem Blick wahr…was die Lesegeschwindigkeit durchaus etwas erhöht. Und ich merke, dass ich dadurch die Argumentation des Verfassers viel besser überblicken kann!

  4. Oh, sehr interessanter Artikel!

    Ihre Lesegeschwindigkeit: 267 WpM
    Ihr Verständnisgrad: 100 %
    Effective Reading Rate: 267 WpM

    Erstaunt mich ziemlich, dass ich mir alles merken konnte. Muss wohl noch ein überbleibsel meiner Studienzeit sein – nicht dass es mir damals viel geholfen hätte 😉

    Gibt es den Test auch in English? Wäre mal interessant zu sehen, um wie viel langsamer ich einen engl. Text lese..

    Ich mus ehrlich gestehen dass ich gar nicht schneller lesen können möchte! Ich geniesse diese ‚Auszeit‘ die ich mir zum lesen gönne und bin eigentlich eher traurig wenn ich mit dem Buch fertig bin.. auch wenn mein TBR immer grösser wird 🙂

  5. Ich habe mich auch mal mit dem Thema „Schneller lesen“ beschäftigt, bin aber letztendlich auch zu dem Schluss gekommen, dass ich die Bücher, die ich in meiner Freizeit lese, lieber genißen möchte. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich eigentlich im Vergleich zu anderen schon recht schnell lese.
    Texte und Aufgaben, die wir in der Berufsschule bekommen (und damals auf dem Gym auch) lese ich ebenfalls fast doppelt so schnell wie meine Mitschüler – ich überfliege den Text das erste Mal und schaffe es dann meist fast den gesamten Text nocheinmal zu lesen und währenddessen die wichtigsten punkte zu markieren. Dadurch hab ich natürlich auch schon viel von dem Text aufgenommen. Von daher bin ich mit meiner Geschwindigkeit ganz zufrieden (im Englischen sieht das allerdings anders aus – da bin ich echt ne Schnecke ^^). Was mir fehlt ist einfach insgesamt mehr Zeit zum lesen 😀

  6. Ich muss zugeben, dass ich bisher sehr faul war diesen Test zu machen. Finde die Idee, aber sooo toll, dass ich mich heute nach der Arbeit (nich erst 22 Uhr) mal ransetzen werde und schauen werde, wie gut/ schlecht ich mir etwas merken kann. 😉
    Aber ich werde schon sehen, dass ich ziemlich langsam lesen werde, da es ja n Sachtext ist… 😉
    Ich melde mich heute Abend nochmal, um zu berichten! 😉

  7. boah, der Text war total schwer, ich habe 50% verstanden und meine Geschwindigkeit war auch nicht so dolle.
    Aber bei Romanen liegt das auch auch ganz anders, die lesen sich viel viel leichter ;-))

  8. Dein Beitrag erinnert mich doch glatt an ein Seminar aus dem letzten Semester. Wir sollten da auch so einen tollen Test machen – ich glaube sonderlich schlecht hatte ich nicht abgeschnitten – und hinterher gab es dann ganz tolle Tipps von unserem Dozenten, wie man üben könne noch schneller zu lesen. Ich hab das dann auch mal ausprobiert und dachte mir nur, neee danke ich glaube ich lese auch so schnon schnell genug.
    Tue ich tatsächlich, wie ich gestern wieder feststellen durfte, nachdem ich ein Buch innerhalb von ein paar Stunden durchgelesen hatte. Das lag aber daran das ich es einfach nicht weglegen konnte und es mich einfach gefesselt hat. Ich muss nicht (noch) schneller lesen können als jetzt, weder bei Romanen, noch bei wissenschaftlicher Literatur. Das ist schon völlig ok so wie es ist.

  9. Ich hab mal vor knapp einem Jahr ein „Schneller Lesen“ Seminar besucht und muss sagen dass ich ab und an die Technik schon anwende. Meistens verwende ich das schnellere Lesen bei langatmigen und eher langweiligen Abschnitten.

    Den Test den du gemacht hast kannte ich bisher noch nicht – werd ich aber gleich mal ausprobieren 😉

    LG
    Bella

  10. Also ich würde sehr gerne sehr viel schneller lesen – wobei es mir vorab auch erst mal reichen würde, wenn ich nicht immer gleich einschlafen würde, wenn ich es mir mit Buch im Bett gemütlich mache…

    Ich bin ehrlich gesagt auch ziemlich überrascht, dass eigentlich fast alle mit ihrer Lesegeschwindigkeit zufrieden sind…

    Den Test fand ich so gut jetzt auch nicht, da ich mich schon sehr auf die Fakten konzentriert habe und damit natürlich entsprechend Zeit „verloren“ habe…

    Was ich mir teilweise schon angewöhnt habe, ist, dass ich nach der wörtlichen Rede öfter über die …sagte er, … bemerkte sie, etc. weglese. Spart zwar nicht superviel Zeit, aber besser als nichts…

    Irgendwie macht mir mein SuB manchmal ziemlich zu schaffen und da überleg‘ ich mir, dass so 6-8 Bücher im Monat schon ganz cool wären…

  11. Da es im Internet so viel Material zu dem Thema gibt, habe ich nie Geld für ein Lese-Trainingsbuch ausgeben müssen. Ist auch strittig, ob ich schneller lesen will, mit Einbußen in der Merkfähigkeit – speziell als Rezensent.
    Bücher wie die von Kinsella muss natürlich keiner auswendig lernen, also macht es da sicher nichts, aber Doris Lessing möchte ich im Gedächtnis behalten, wenn ich ihre Romane lese 😉
    Wie Du schon sagst – eine Medaille mit zwei Seiten 🙂

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