[Rezension] Nazan Eckes – Guten Morgen Abendland

Wie das Buch den Weg zu mir gefunden hat:
Sevda hat mal wieder Schuld ;)! Sie war vor einigen Wochen für lovelybooks bei der Lesung mit Nazan Eckes in Köln und hat mich mit ihrem Bericht entsprechend neugierig gemacht. Der Luebbe Verlag war dann so nett und hat mir ein Rezensionsexemplar zukommen lassen. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle!

Zum Inhalt:
Die sechsjährige Nazan kann es nicht fassen, als sie ihre Mutter sagen hört „Kizim, meine Tochter, den Nikolaus gibt es nicht.“ Alle anderen Kinder in der Schule erzählen von prall gefüllten Stiefeln, nur sie kriegt keine Geschenke. Dafür lieben es ihre deutschen Freundinnen, die Mittagessen im Kreis der lebhaften türkischen Familie zu verbringen und die exotischen Speisen zu probieren. Heute ist Nazan Eckes stolz darauf, in zwei Kulturen groß geworden zu sein. Dabei wollten ihre Eltern, wie so viele türkische Gastarbeiter in den 60er Jahren, nur ein paar Jahre in der Fremde bleiben. Die bekannte Fernsehmoderatorin erzählt ihre ganz persönliche Geschichte einer türkischen Familie, die trotz Integrationsschwierigkeiten und kulturellen Unterschieden längst eine zweite Heimat gefunden hat.

Hier gibt es eine Leseprobe.

Meine bescheidene Meinung:
Nett, kurzweilig, mäßig interessant. Ich bin ja nun nicht der sensationsgeile Typ, der bei einem Bericht eines Menschen mit muslimischem Migrationshintergrund auf Ehrenmord oder zumindest Schläge von Bruder und/oder Vater wartet, aber die Schilderungen von Frau Eckes halte ich jetzt wirklich nur bedingt hilfreich hinsichtlich eines Beitrags zur Integrationsdebatte. Sie erzählt von sich, ihrer Familie, ihrer Kindheit und wie sie damit umgegangen ist, dass sie schon als Kinder anders war. Die, die kein Schwein aß und deshalb bei Besuchen von Freundinnen schon mal in Erklärungsnöte kam. Die, die immer ganz stolz darauf war, anders zu sein. Ganz niedlich, aber das war’s auch schon. Irgendwie fehlt dem ganzen Buch die Struktur, ein roter Faden.

Eins kann und möchte ich Frau Eckes jedoch nicht absprechen, und das ist ihre Glaubwürdigkeit. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass sie sich Dinge ausgedacht hat und das, was sie schreibt, spiegelt – wie ich glaube – leider nur einen kleinen Teil der türkischen Community hier in Deutschland wider- was wiederum eine Chance wäre, Andersdenkende einen Denkanstoß in die „richtige“ Richtung zu geben. Wobei ich nicht glaube, dass diese Leute dieses Buch lesen würden, denn denen ist Nazan Eckes wahrscheinlich etwas zu sehr integriert und ich gebe zu, diesen Gedanken konnte auch ich auch nach Lesen der Lektüre immer noch nicht abschütteln. Keine Ahnung, aber die Türkin kauf‘ ich ihr nicht so wirklich ab [ich weiß, das steht im Widerspruch zu der vorgenannten Glaubwürdigkeit – aber irgendwie kann ich das nicht so recht erklären – jetzt bin ich schon genauso zusammenhanglos wie das Buch; scheint ansteckend zu sein…].

Wie gesagt – wer das Kontrastprogramm zu Nicht ohne meine Tochter in Kombination mit Türken in einer heilen, idyllischen Welt mitten in Deutschland sucht, ist hier gut aufgehoben.

 

 


2 Gedanken zu “[Rezension] Nazan Eckes – Guten Morgen Abendland

  1. Hmm, klingt ja nicht so berauschend, dabei hätte ich schon Interesse an dem Buch gehabt, zumal ich Frau Eckes irgendwie total sympathisch finde. Aber, auch wenn ich das Buch noch nicht gelesen habe, richtig „türkisch“ kam sie mir nie vor, wenn ich das so sagen darf. Ich glaub, das mit dem Buch überleg ich mir jetzt nochmal …

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