[Rezension] Ameneh Bahrami – Auge um Auge

Wie das Buch den Weg zu mir gefunden hat:
Im Gegensatz zu vielen anderen hatte ich nichts von Ameneh Bahramis Schicksal mitbekommen und war umso schockierter als ich von dem Buch hörte. Der Dank für das Rezensionsexemplar geht an den mvg Verlag.

Zum Inhalt:
Amaneh Bahrami lebt mit ihrer Familie Teheran und führt ein recht sorgloses Leben. Sie gehört zu den Frauen, die Karriere machen wollen, anstatt den ganzen Tag zu Hause zu sitzen. Neben ihrer Arbeit in einer Elektronik-Firma studiert sie an der Uni Teheran Elektrotechnik. Dort verliebt sich ein Mitstudent in sie und Ameneh sieht sich plötzlich durch ihn und seine Familie tyrannisiert, die unentwegt bei ihr zu Hause anrufen und ihr sogar bei der Arbeit auflauern um  sie zu einer Heirat mit ihrem späteren Peiniger überreden. Nachdem Ameneh ihm unmissverständlich klar gemacht hat, dass ihrerseits kein Interesse besteht, begeht er das Säureattentat und ein langer Leidensweg, der wohl bis heute noch nicht ausgestanden ist, beginnt. Doch Ameneh kämpft um ihr Recht und bekommt dies auch zugesprochen: Sie darf dem Mann, der ihr das angetan hat, ebenfalls Säure in die Augen träufeln – Auge um Auge.

Sie hat die Strafe noch nicht vollzogen, hat aber bereits die Legitimation des Gerichts erhalten. Ihr Peiniger sitzt im Gefängnis und wartet darauf, dass der Urteilsspruch in die Tat umgesetzt wird. Ameneh erzählt die Geschichte in ihren eigenen Worten, die Gedanken dazu hat sie in den vielen Monaten der Blindheit auf Kassette gesprochen.

Meine bescheidene Meinung:
Wie bereits gesagt, war ich ziemlich erschüttert über die Grausamkeit, einer anderen Person Säure ins Gesicht zu schütten und diese Erschütterung wurde auch währed des Lesen nicht weniger, ganz im Gegenteil.  Außerdem war ich gespannt zu erfahren, wie ein Land wie der Iran, in dem Frauen ja nicht unbedingt die großen Gewinnerinnen sind, mit so einem Thema umgeht, bzw. ob überhaupt damit umgegangen wird.

Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Reise durch ihr Leben. Ihre Kindheit, das Leben im Iran, man erfährt, dass sie eine sehr ehrgeizige und strebsame junge Frau war, die auch das fast Unmögliche – in einem Job, der bis dato von Männern dominiert war- zu arbeiten und erfolgreich zu sein. Jedoch hält sie sich glücklicherweise nicht allzu lange mit Kindheit und Jugend auf, die Haupthandlung beschränkt sich auf die Geschehnisse kurz vor und hauptsächlich der Zeit nach dem Säureangriff. Nachdem in ihrer Heimat nichts mehr für sie getan werden kann, reist Ameneh nach Spanien, wo sie bis heute lebt und regelmäßig operiert wird. Selbst während der Zeit der Operationen ist Ameneh von dem Wunsch getrieben, ihren Peiniger seiner gerechte Strafen zuzuführen und zwar ihm das anzutun, was er ihr angetan hat. Dabei lässt sie sich auch nicht von seinem Wunsch nach der Todesstrafe beirren und kämpft um ihr Recht.

Was mir gefallen hat, war dass Ameneh Bahrami nicht jammert und nur an das Mitleid des Lesers appelliert, sondern recht sachlich und – soweit dies überhaupt möglich ist – die Geschehnisse schildert. Dass zwangsläufig Mitleid mit hineinspielt, ist (zumindest für mich) absolut normal, denn diese Frau hat wahnsinnig viel aushalten müssen (und muss dies wohl auch heute noch). Die Sprache ist schlicht und einfach, jedoch auf eine sehr angenehme Art und Weise. Man möchte natürlich wissen, wie es mit dem Peiniger, der die Chuzpe besitzt, auch noch mit seiner Tat anzugeben, weitergeht. Womit ich auch zum einzigen Kritikpunkt komme: das Ende hat mich nicht wirklich zufrieden gestimmt, denn wie in der Beschreibung bereits steht, hat Ameneh Bahrami das Urteil noch nicht vollstreckt. Mich hätte auch die Schilderung der Zeit danach interessiert, aber vielleicht erfahren wir das ja in einem Folgeband.

Ansonsten eine durchaus interessante Lektüre – gerade für Leute, die sich für Iran und seine Menschen interessieren (denn leider war dies dort nicht der 1. Säureanschlag). Wer herausfinden möchte, ob das Buch etwas für ihn/sie ist, gelangt hier zur Leseprobe!

 


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