Hisham Matar – Im Land der Männer

Wie das Buch den Weg zu mir fand:
Ich hatte in einem Werbe-Prospekt von Hugendubel etwas über die englische Ausgabe gelesen und fand es super interessant. Habe es also auf meine Wunschliste gesetzt und die deutsche Übersetzung tatsächlich bei Tauschticket gefunden und zack! – war’s auch schon meins…

Zum Inhalt:
Suleiman ist neun Jahre alt, als sich die Welt, wie er sie kennt, für immer verändert. Es ist der Sommer 1979, und Tripolis liegt im gleißenden Sonnenlicht. Die Maulbeeren sind so süß, als kämen sie direkt vom Himmel. Aber es geschehen Dinge, die Suleiman nicht versteht und die ihm niemand erklärt. Denn Suleiman soll nicht wissen, dass sein Vater im Untergrund gegen Revolutionsführer Gaddafi arbeitet – und muss doch erleben, wie sich das Netz des Sicherheitsapparates immer enger um die Familie legt.

Meine bescheidene Meinung:
Die Geschichte wird von dem 9jährigen Suleiman erzählt, der zusammen mit seinen Eltern in Tripolis im Jahre 1979 lebt. In Libyen ist die politische Situation gelinde gesagt gespannt. Zehn Jahre zuvor wurde der Monarch durch einen Militärputsch gestürzt und die der Revolutionsführer Gaddafi und seine Revolutionskommittees verfolgen Bürger, die nicht ganz konform gehen, mit unwahrscheinlicher Brutalität.

So geht es auch Ustaz Raschid, seines Zeichens Uni-Professor, Suleimans Nachbar und Vater seines besten Freund Karim, der eines Tages vom Revolutionskommittee abgeholt wird.

Durch ständige Geschäftsreisen des Vaters ist Suleiman sehr oft alleine mit seiner Mutter, die – jedes Mal, wenn der Vater nicht da ist – „krank“ wird und flaschenweise stark riechende „Medizin“ (die in dem islamischen Libyen verboten ist) nehmen muss und dann den ganzen Tag verschläft und somit den kleinen Jungen alleine auf sich gestellt lässt; was für diesen – welch Überraschung – eine absolute Überforderung darstellt. Als sich dann auch noch das Revolutionskommittee durch Abhören des Telefons und Razzia des elterlichen Hauses in das Leben der Familie einmischt, spitzt sich die Lage zu.

Mich hat dieses Buch sehr berührt, auch wenn ich nicht immer wusste, ob ich Suleiman nun mögen soll oder nicht. Er reagiert teilweise so trotzig und streckenweise böse, dass man sich fragt, was denn mit diesem Kind los ist. Aber ich denke, genau da liegt das Problem. Er ist ein 9jähriger Junge, ein Kind, oft alleine gelassen mit seiner betrunkenen Mutter, (die ihn schon mit 15 bekam, da sie mit Suleimans Vater zwangsverheiratet wurde [worüber sie jedoch nur im Rausch mit ihm spricht]) für die er dann auch noch die Verantwortung übernehmen muss.

Vor dem Hintergund der damaligen historischen Begebenheiten und der Tatsache, dass der Roman sehr autobiographisch gefärbt ist, erscheint die ganze Geschichte noch viel bedrückender, beängstigender und emotionaler. Matar beschreibt die Umstände, die damals herrschten, sehr bildgewaltig und in einer ganz tollen Sprache, der sich der Leser nicht entziehen kann.

Obwohl Suleiman (und auch der Autor selbst) so viel Leid in ihrer Heimat erleben mussten, ist dieses Buch eine Hommage an ebendiese – zwar streckenweise anklagend, aber auch zugleich voller Liebe und Sehnsucht. Dies zeugt m.E. von großer charakterlichen Stärke, wenn man die gegebenen Umstände betrachtet.

Summa sumarum ein tolles Buch, das noch lange nachhallt und einem den Einblick in ein Land gewährt, das nicht so sehr im Fokus des weltlichen Geschehens steht, über das es aber offensichtlich doch viel zu berichten gibt.


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